Die SPD im Wahljahr 2009


Das wird es wohl gewesen sein. In einer beispiellosen Art und Weise hat die ehemalige Volkspartei SPD die jungen Leute verstoßen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Wähler, der halbwegs mit dem Internet vertraut ist, die Entscheidungen dieser Partei auch nur ansatzweise nachvollziehen oder gar unterstützen kann. Ergo wird dies das mit Abstand schwärzeste Jahr in der Geschichte der Sozialdemokraten. Schade, denn Frank-Walter Steinmeier konnte ich mir sehr wohl in der Rolle als Kanzler vorstellen. Aber nicht mit diesen Ansichten, nicht mit dieser Politik. Die große Koalition verteilt zum Ende der Wahlperiode schallenden Ohrfeigen an alle freiheitsliebenden Menschen. Erst kam die Vorratsdatenspeicherung, dann die Stoppschilder gegen Kinderpornographie im Netz. Ich bin enttäuscht schockiert darüber, wie anscheinend Stück für Stück rechtsstaatliche Prinzipien außer Kraft gesetzt werden.

An dieser Stelle möchte ich gerne ein Video empfehlen, das den Ex-SPD-Abgeordneten Jörg Tauss in einer Rede vor dem Bundestag zeigt. Es stammt vom 03. Juli aus der Debatte über die Grundrechte. Nach seinem Austritt aus der SPD-Fraktion ist Tauss nun zu den Piraten gewechselt. Sein Bundestagsmandat wird er behalten.

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Internetsperren – jetzt auch bei Egoshootern?

Die Befürchtung, die viele Unterzeichner der Onlinepetition gegen Internetsperren hatten, hat sich bestätigt. Nur wenige Stunden nach der Verabschiedung des Gesetzes gegen Kinderpornographie im Internet hat die CDU/CSU neue Vorschläge für die Ausweitung der Netzsperren präsentiert. Diesmal befassen sich die entsprechenden Stellen mit den sogenannten “Killerspielen”.

Da ist sie also wieder, die Lieblingsthematik der Politiker. Wir müssen unsere Jugendlichen schützen, und “Killerspiele” machen sie zu Verbrechern. Nicht etwa eine Verschärfung des Waffengesetzes wird in Erwägung gezogen, die Ursache für Amokläufe wie in Winnenden wird immer wieder bei den “gewaltverherrlichenden” Computerspielen gesucht. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Strobl will prüfen lassen, ob solche “Killerspiele” jugendgefährdend sind und sie anschließend im Internet sperren.

Diese Games sind überwiegend reine Onlinespiele. Sie leben davon im Internet gespielt zu werden und wären nach einer solchen Sperre unbrauchbar. Allein die Bezeichnung “Killerspiele” gibt den Ego-Shootern ein schlechtes Image in der Öffentlichkeit. In Wirklichkeit handelt es sich bei Spielen wie “Counter Strike”, “Day of Defeat” und “Call of Duty” um taktische Spiele. Kontrollpunkte müssen eingenommen, Geiseln befreit werden. Um im Spiel erfolgreich zu sein ist Teamplay gefragt – und eine gute Strategie. Hinter manchen Titeln stecken ganze Handlungsstränge, die in Missionen unterteilt sind. Es steckt also viel mehr dahinter als das wahllose Abschiessen von virtuellen Gegenspielern, wie es gerne dargestellt wird.

Computerspielen ist schon seit langer Zeit ein Sport, eSport. Organisationen wie die ESL (Electronic Sports League) verwalten verschiedene Ligen, in denen sich Spieler aus der ganzen Welt gegeneinander messen können. Der Markt für Computerspiele boomt. Seit Jahren gibt es einen enormen Zuwachs an Verkäufen und ein steigendes Interesse, das sich in Messen wie der “Games Convention”/”Games Convention Online” bzw. “GamesCon” widerspiegelt. Die Auswirkungen auf die sowieso schwächelnde Wirtschaft wären gewaltig. Es wäre schön, wenn sich Poltiker die Mühe machen würden, einem größeren eSport-Event beizuwohnen. Sie würden feststellen, dass dort keine kranken Amokläufer rumlaufen, sondern Menschen wie du und ich, die Spaß haben an virtuellen Welten und tollen Spielkonzepten. Freilich sollten Eltern den Konsum dieser Spiele im Auge behalten und im Rahmen der Erziehung darauf achten, was ihre Kinder anstellen und wie sie auf bestimmte Reize reagieren. Egoshooter allerdings zu verbieten, um potenzielle Amokläufe zu verhindern wird ebenso wenig funktionieren, wie das Stoppschild bei Kinderporno-Seiten.

Die Forderung nach einer Ausweitung der Internetsperre erscheint kurioserweise zu einem Jubiläum: Heute vor zehn Jahren wurde die Grundlage für “Counter Strike”, den erfolgreichsten Egoshooter, gelegt: “Half-Life” wurde in einer ersten Betaversion veröffentlicht.

Cyberkrieg

US-Präsident Barack Obama sieht in Internetangriffen auf die Regierung ein großes Gefahrenpotenzial. Nur so kann man sich die kürzliche Verlautbarung erklären, in der Obama einen Militärstab einrichten möchte, der sich ausschließlich mit Internetspionage und Hackerangriffen befassen soll. Der Chef dieses Stabs soll “Cyber-Zar” heißen.

Unklug ist dieser Schachzug nicht, betrachtet man unsere Abhängigkeit von Computern und Internet in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens. Ein groß angelegter und erfolgreicher Hackerangriff könnte nicht nur sensible Informationen offenlegen, sondern auch wichtige Einrichtungen lahmlegen. Es wundert mich überhaupt, dass für das Internet in Deutschland nicht längst ein eigenes Gremium eingerichtet wird. Stattdessen gliedert man internetrelevante Themen (z.B. Urheberrecht, Jugendschutz) je nach Zuständigkeit in vorhandene Ministerien ein. Oder man gibt dem Bundeskriminalamt die Vollmacht, Seiten ohne Einbeziehen eines Kontrollorgans zu sperren. Dabei gibt es mehr als nur Rechtsverletzungen im virtuellen Raum, die es zu bekämpfen gilt. Eine intakte Abwehr von potenziellen Angriffen wäre nicht nur in den USA wichtig. Ich habe aber leider nicht das Gefühl, dass die Deutsche Regierung der Sicherheit im Internet eine große Bedeutung beimisst.