Irgendwer hatte behauptet, ich hätte zur Zeit Urlaub. Auf dem Papier stimmt das ja, was ich aber am Freitag mitgemacht habe, war die Grenze meiner Leistungsfähigkeit. Und trotzdem war es ein verdammt genialer Tag. Um kurz vor halb fünf klingelte der Wecker. Katharina und ich mussten uns vorerst wieder örtlich trennen. Dieses Mal ging es jedoch nicht wie sonst über Hamburg zurück in die fränkische Heimat. Ich habe mich spontan für einen kleinen Umweg über Berlin entschieden. Frei nach dem Motto: Was der Herr Lehnert kann, kann ich schon lang’. Die durch den Umweg bedingte, längere Fahrzeit fiel nicht ins Gewicht, da der Aufenthalt in Berlin knappe 5 Stunden betrug.
Zunächst traf ich Maureen, eine ehemalige Kollegin von Star FM Berlin. Nach einem kurzen Abstecher im Star Bucks sind wir via S-Bahn vom neuen – im Übrigen wirklich optisch sehr gelungenen – Berliner Hauptbahnhof in Richtung Star FM gefahren. Eine Tageskarte ermöglichte mir an diesem Tag die Fahrt mit sämtlichen Verkehrsmitteln des Berliner ÖPNV. Maureen hat mir den Hackeschen Markt gezeigt, der inzwischen zu einer Art Künstlerviertel geworden ist. Hier befinden sich aber auch die Räumlichkeiten von Star FM. Zum ersten Mal habe ich die Kollegenschaft kennengelernt, die man sonst nur via Telefon in Redaktionskonferenzen zu hören bekommt. Endlich hat man ein Bild zu der Stimme. Man könnte sagen, ich fühlte mich fast wie ein Radiohörer, der nicht weiß, wie der Moderator aussieht, den er täglich hört. Nach kurzem Aufenthalt und Erkundung der Redaktionsräume und des Studios, musste ich weiterziehen, um meinen engen zeitlichen Rahmen nicht zu überreizen.
Anna arbeitet seit einiger Zeit in der Hauptstadt im Radisson SAS Hotel in der Nähe des Doms. Zu Fuß erreichte ich das Hotel in nur wenigen Minuten. Das Foyer ist unglaublich schön. Ein Aquarium mit direktem Anschluß an das Sealife verwandelt den Eingangsbereich in einen faszinierenden Ruhepol mit Blick auf wunderschöne Fische. Ich musste nicht lange suchen, um Anna zu finden. Körperkontakt war bei der Begrüßung tabu. Nach einem kurzen Plausch verließ ich das Hotel mit einem Stadtplan, den mir Anna bei der Verabschiedung noch in die Hand drückte.
Die Buslinie 100 führte mich an verschiedenen Sehenswürdigkeiten vorbei. Staatstheater, Brandenburger Tor, Reichstag. Ich beschloß, das Regierungsviertel vom Bundestag aus zu Fuß zu erkunden. Bei der Französischen Botschaft fand ein Empfang statt, der wohl auch der Grund war, weshalb mich ein Polizist mit meiner Kamera verscheuchte. Ich möge bitte woanders fotografieren, es sei denn ich hätte einen Presseausweis, meinte der Herr in Grün. Diesen hatte ich nicht einstecken. Leider konnte ich auch seinem Wunsch nicht nachkommen, ihm die Bilder meiner Spiegelreflexkamera zu zeigen. Sie fotografiert analog. So zog ich davon.
Mit einem Döner in der Hand schaute ich bei den anderen Botschaften vorbei, ehe ich mich allmählich über das Bundeskanzleramt in Richtung Hauptbahnhof aufmachte. Nach viereinhalb Stunden Fahrt kam ich in Nürnberg an. Endlich geschafft? Nein! Von 20 Uhr bis Mitternacht legte ich noch im Brunswick auf. Erst hier endet mein Tag. Ereignisreich, interessant und schön.
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