Wikipedia Italien vom Aussterben bedroht?

Italien hat möglicherweise bald ein Problem. Ein neuer Gesetzesentwurf könnte die Meinungsfreiheit im Netz stark einschränken, sollte er in den entscheidenen Gremien auf Zustimmung stoßen. Davor hat auch die italienische Ausgabe der Wikipedia Angst und schreibt auf ihrer Seite darüber:

Dieser Gesetzesentwurf, den das italienische Parlament zurzeit debattiert, enthält neben anderen Dingen eine Verpflichtung für Webseiten, innerhalb von 48 Stunden kommentarlos jegliche Korrektur am Inhalt vorzunehmen, die der Antragsteller im Interesse seiner Reputation fordert.
Unerfreulicherweise verlangt dieses Gesetz keine Evaluation durch eine unabhängige dritte Person. Ausschließlich die Meinung der angeblich beleidigten Person oder Organisation genügt, um die geforderten Korrekturen an der Webseite durchsetzen zu lassen.

So etwas geht natürlich gar nicht und hat auch nichts mehr mit Meinungs- und Pressefreiheit zu tun. Wollen wir hoffen, dass die Poltiker in Italien Köpfchen haben und den unsinnigen Entwurf ad acta legen.

Wikipedia für die Hosentasche

Die kostenlose Enzyklopädie Wikipedia ist ein nützlicher Helfer. Egal ob privat oder beruflich, ich nutze das Portal sehr gerne, um schnell Informationen nachzuschlagen. Allerdings ist es ratsam, die gefundenen Einträge mit einer weiteren Quelle zu vergleichen, um auf Nummer Sicher zu gehen. Wer eine Datenflatrate fürs Handy hat ist gut bedient, er kann Wikipedia auch mobil nutzen und unterwegs recherchieren. Für alle anderen empfiehlt sich der WikiReader.

The Wikireader

Unabhängig von einer bestehenden Internetverbindung hat der kleine, handgroße Helfer 3 Millionen Begriffe gespeichert. Dabei besitzt das Gerät nur drei Knöpfe und einen Touchscreen. Die Bedienung ist also auch für technisch weniger versierte Menschen kein Problem. Betrieben wird das wandelnde Lexikon mit zwei AAA-Batterien. Laut dem Hersteller sollen diese ein ganzes Jahr lang Strom liefern. Die Begriffe und deren Erklärungen sind auf einer microSD-Karte gespeichert. Und weil sich Wikipedia schnell weiterentwickelt und innerhalb kürzester Zeit aktualisiert, sind in regelmäßigen Abständen Updates möglich. Entweder per kostenlosem Download oder in einem zweijährigen Abo für 29 Dollar. Entscheidet man sich für die zweite Variante, werden einem die Updates direkt auf einer microSD-Karte per Post zugeschickt. So bleibt der Wikireader auf dem aktuellen Stand.

Das Lexikon für unterwegs kostet 99 US-Dollar, umgerechnet also knapp 67 Euro zzgl. Versand.

Vorteile

+ Keine Onlineverbindung notwendig
+ Überall verfügbar
+ Gut leserliches Display
+ Lange Batterie-/Akkulaufzeit
+ Kostenlose Updates via Download

Nachteile

- Updates erscheinen zwar regelmäßig, aber nicht oft genug

Totgesagte leben länger

Das Internet hat einen großen Vorteil im Vergleich zu den konservativen Medien: Die Schnelligkeit. Doch dieser Vorteil wird dann zum Nachteil, wenn Journalisten ihre Quellen nicht überprüfen und Informationen einfach weitergeben. Meldungen verbreiten sich irrsinnig schnell, denn die Blogosphäre ist inzwischen groß genug, um als Multiplikator eine entscheidenen Rolle zu spielen. Soviel zur immer wieder in Frage gestellten Relevanz von Weblogs.

Ist eine Meldung erst einmal veröffentlicht und ist sie von Belang, kann man davon ausgehen, dass sie innerhalb weniger Minuten oder Stunden die Runde macht. In Blogs, auf Twitter, bei Facebook und sonstigen Plattformen. Der Schauspieler Patrick Swayze ist tot, davon gingen vor wenigen Stunden noch zig tausende Internetuser aus. Grund hierfür war eine (zu) schnell verbreitete Fehlinformation. Zwischenzeitlich hat das Management die Meldungen dementiert und stellte klar, dass Swayze noch am Leben sei und den Kampf gegen den Krebs noch nicht verloren habe.

Bei allem Enthusiasmus, den ich dem Internet gegenüber empfinde, müssen wir in Zukunft verstärkt aufpassen. Ich erlebte es in der Vergangenheit immer wieder, dass bei Recherchearbeiten auf Seiten wie Wikipedia zurückgegriffen wurde, ohne die dort enthaltenen Informationen an anderer Stelle zu verifizieren. Damit machen wir uns langfristig den Onlinejournalismus selbst kaputt.

Heilmann macht einen Rückzieher

Der Politiker Lutz Heilmann (Die Linke), der per einstweiliger Verfügung die Domain wikipedia.de lahmgelegt hat, kapituliert. Er werde nun keine weiteren juristischen Schritte mehr gegen den Wikimedia Deutschland e.V. in Betracht ziehen. In einer Stellungnahme bedauert er, dass durch seine Handlung die User des Portals 24 Stunden keinen Zugang zur freien Enzyklopädie Wikipedia hatten.

Mir ging es dabei keineswegs um Zensur, sondern schlicht um eine wahre Tatsachen-Darstellung. Der juristische Weg hat sich dafür insoweit als problematisch erwiesen, als durch die Struktur von Wikipedia die anderen Userinnen und User in Mitleidenschaft gezogen werden. Das war nicht meine Absicht. Gemeinsam mit Wikimedia e.V. werde ich nach anderen Wegen suchen, um den offenen und freien Charakter von Wikipedia so weiter auszugestalten, dass Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben.

Heilmann erklärte jedoch, bereits Strafanzeige gegen drei Autoren gestellt zu haben, die unwahrheitsgemäße Aussagen über ihn auf Wikipedia verbreitet hätten. Auch die einstweilige Verfügung bleibt noch in Kraft bis Heilmann die notwendigen Schritte zur Aufhebung einleitet. Dass wikipedia.de nun laut dem Politiker sofort die Inhalte wieder freigeben kann ist zwar freundlich, zeugt aber nicht gerade von Sachverstand.

Quellen: Mark Seibert, heise online

Wikipedia.de vorerst gesperrt

Die URL wikipedia.de wird vorerst nicht mehr auf das offizielle deutsche Wikipedia-Portal weitergeleitet. Lutz Heilmann, MdB für “Die Linke”, erwirkte eine einstweilige Verfügung. Allerdings kann man die Seiten direkt über http://de.wikipedia.org aufrufen. Der Verein “Wikimedia Deutschland” erklärt den Sachverhalt wie folgt:

Mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Lübeck vom 13. November 2008, erwirkt durch Lutz Heilmann, MdB (Die Linke), wird es dem Wikimedia Deutschland e.V. untersagt, “die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten”, solange “unter der Internet-Adresse de.wikipedia.org” bestimmte Äußerungen über Lutz Heilmann vorgehalten werden. Bis auf Weiteres muss das Angebot auf wikipedia.de in seiner bisherigen Form daher eingestellt werden. Der Wikimedia Deutschland e.V. wird gegen den Beschluss Widerspruch einlegen.

Der Wikimedia Deutschland e.V. ist nicht Anbieter der unter de.wikipedia.org zugänglich gemachten “Wikipedia” und hat auch keinen Einfluss auf die in der Online-Enzyklopädie abrufbaren Inhalte. Der Wikimedia Deutschland e.V. ist vielmehr ein gemeinnütziger Verein zur Förderung Freien Wissens, der lediglich über die Anwendung der Wikipedia aufklärt. Betreiber der Enzyklopädie ist die in der Anbieterkennzeichnung der Enzyklopädie genannte Wikimedia Foundation, eine in Florida, Vereinigte Staaten, inkorporierte Stiftung mit Sitz in San Francisco.

Solche Leute wie Lutz Heilmann regen mich endlos auf. Ein System wie Wikipedia ist einfach nicht vollständig kontrollierbar, zumindest nicht instantan. Aber genau das ermöglicht es überhaupt, Inhalte aktuell zu halten. Das ist das Prinzip von Wikipedia. Diese Plattform reguliert sich im Normalfall selbst, auch wenn das ein Herr Heilmann anscheinend nicht glauben mag.