Die Zwei-Klassen-Gesellschaft im Netz

Seitdem sich Menschen aktiv in Netzwerken austauschen, versucht man deren Einfluss zu messen. Wie viel ist ein solcher User wert, welche Kontakte kann er spielen lassen und welche Online-Reputation besitzt er? Das alles zu messen ist ein extrem aufwendiger Prozess, denn hier spielen sich viele Dinge ab, die sich nicht einfach zählen lassen – sie müssen ausgewertet werden. Jemand der bei Twitter 3000 Follower hat, muss nicht unbedingt einflussreich sein. Landen seine Nachrichten im Nirvana und werden nicht beachtet, nicht beantwortet oder retweetet sind 3000 Follower wenig wert.

Deswegen veruschen verschiedene Systeme den Einfluss in sozialen Netzen zu messen. Einer dieser Dienste ist Klout. Durch einen bestimmten Algorithmus wertet Klout das Nutzerverhalten bei Twitter, Facebook und LinkedIn aus und erstellt daraus einen Wert. Den sogenannten Klout Score, der zwischen 0 und 100 liegen kann. Meiner liegt zum Zeitpunkt des Schreibens bei 53, das ist ganz in Ordnung. In die Wertung gehen alle Kontakte ein und das interaktive Verhalten mit ihnen. Klout ordnet die Nutzer anschließend in bestimmte Kategorie ein, in meinem Fall ist das “Specialist”. Bei all den Zahlenspielen bleibt natürlich die Frage, ob man Einfluss im Netz überhaupt ausrechnen kann.

Klout bietet nun auch eine Schnittstelle für Facebook-Seiten an, durch die Firmen den Klout Score für ihr Angebot nutzen können. Willkommen in der Zwei-Klassen-Gesellschaft. Auf diesem Score basierend, kann ein User unterschiedliche Angebote, Coupons oder Seiten angezeigt bekommen. Hat jemand einen Wert von “nur” 20, bekommt er vielleicht einen 5%-Gutschein, jemand mit einem vermeintlich höheren Einfluss, beispielsweise einem Klout Score von 70, könnte deutlich mehr profitieren.

Als erstes Unternehmen nutzt Audi USA diese Schnittstelle und erlaubt ab einem bestimmten Wert den Download eines Wallpapers. Alle darunter gehen leer aus.

Twittergrillen 3 in Leipzig – So war’s

Jeder war sein eigener Grillmeister

Zum ersten Mal in der langen Geschichte des Twittergrillens gab es einen 50-Zoll-Flachbildschirm mitten im Rosentalpark, gesponsert von der LVZ. Ein etwas gewöhungsbedürftiger Anblick. Das fanden auch viele Passanten und Griller, die sich im Laufe des Samstagabends zu uns gesellten und wissen wollten, was wir denn dort veranstalteten. Der Monitor mit der Twitterwall war ein nettes Gimmick, aber kein Must-Have. Der ein oder andere tendiert dazu, Twitter zu nutzen anstatt mit den Leuten direkt ins Gespräch kommen. Eigentlich ist ein solches Treffen genau dafür da, Twitter Twitter sein zu lassen. Zumindest für einige Zeit. Doch hin und wieder verursachte der Monitor auch große Freude. Weiterlesen

Twittkickers – Fußballspielen via Twitter

Logo: Twittwoch e.V.

Das Fußballfieber in Deutschland steigt. Nach der gelungenen Vorstellung der Deutschen Nationalmannschaft gegen Bosnien-Herzegowina (3:1) kann die WM gerne kommen. Public Viewing wird wieder ebenso ein großes Thema sein wie nette Grillabende mit Freunden und Fernseher in kleiner Runde. Sicher werden sich auch wieder viele zum Bolzen verabreden, nun wo das Wetter wieder sommerliche Ausmaße annimmt. Für den Fall der Fälle kann aber auch auf Twitter zurückgegriffen werden.

Der Verein Twittwoch e.V. wird zeitgleich mit der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft ein Social Media Turnier unter dem Namen Twittkickers veranstalten. Das Turnier wird in etwa so ablaufen wie früher die Textadventures auf dem Commodore 64. Die Veranstalter beschreiben den Ablauf wie folgt:

1. Bei Anpfiff wird der Ball vom System an einen aktiven Spieler gegeben, der via @-Reply an die @twittkickers und seine @Mitspieler den Ball weiterleiten kann. Beim dritten Pass innerhalb einer Mannschaft muss man nur noch auf das #tor schießen.
2. Wird nicht schnell genug gepasst oder geschossen, können die @Gegenspieler ihre Zweikampfskills präsentieren und ebenfalls über @-replies an die Twittkicker und den jeweils ballführenden Spieler in Ballbesitz bekommen.
3. Die Mannschaft, die innerhalb von 90 Minuten mehr Tore schießt, gewinnt. Bei Unentschieden entscheidet das golden Goal.

Relativ einfache Regeln und sicher ein interessantes Projekt. Ich befürchte jedoch eine Überflutung der eigenen Timeline von Leuten, die ihre Spielzüge schildern.

Gesucht werden nach wie vor Teams, die aus 11 Twitterern bestehen und Lust haben bei Twittkickers mitzumachen. Wie ihr Euch anmelden könnt, findet ihr auf dieser Seite.

Wie viele Tweets?

Screenshot: Gigatweet

Twitter ist gerade wegen seiner Ausrichtung als Microblogging-Dienst prädestiniert, eine große Masse an Nachrichten zu generieren. Dass der Inhalt einiger Tweets die Halbwertszeit eines Windstoßes nicht übersteigt, ist natürlich auch klar. Im Laufe der letzten Monate habe ich es fast schon aufgegeben, Leute davon zu überzeugen, wie nützlich Twitter sein kann, wenn man es zu bedienen weiß. Filter sind die Lösung im großen Jungle voller Kurznachrichten. Denn alleine im letzten Monat (April 2010) wurden über Twitter 1,7 Milliarden Tweets verschickt. Weiterlesen

colorillo – Gemeinsam zeichnen

Ein Werk, das auf colorillo.com entstanden ist

Ende August 2009 programmierte der Österreicher Alexander Kirk ein Tool zum kollaborierenden Zeichnen. Die Nutzer zeichnen dabei in Echtzeit auf einer virtuellen Leinwand auf colorillo.com. Eine Weltkarte zeigt an, wo sich die aktuell aktiven Zeichner befinden und welches Zeichenwerkzeug sie gerade ausgewählt haben. So lässt sich zuordnen, wer was malt. Vier verschiedene Pinselstärken stehen dabei zur Wahl. Wer jedoch detaillierter zeichnen möchte, kann auch auf eine “advanced colors”-Palette zugreifen, die sogar halbtransparente Farben ermöglicht und die Dicke des Pinsels stufenlos einstellen lässt. Je mehr Leute mitwirken, desto unübersichtlicher wird die Angelegenheit allerdings auch. Trotzdem ist es schön, den kreativen Ideen zuzusehen und selbst mitzumachen. Ist das Bild fertig gestellt, kann es als PNG-Datei abgespeichert werden. Alternativ ist es möglich, die Entstehung des Werkes als MP4-Video herunterzuladen.

Alexander Kirk

Auf die Idee gekommen ist Kirk als er in Berlin einen Mann gesehen hat, der Schnipsel auf eine Plakatwand geklebt hat. “Das könnte man auch gemeinsam machen”, dachte er und probierte eine Umsetzung im Internet aus. Am Anfang war die Seite noch nicht so komplex wie heute. Lediglich einzelne Kästchen konnten mit Farbe gefüllt werden. Durch Feedback baute Kirk die Seite stetig aus und entwickelt sie immer noch weiter. Da colorillo in HTML5 Canvas programmiert ist, kann auch auf mobilen Endgeräten wie dem iPhone und dem iPad gemalt werden. Flash wird nicht benötigt. Bei colorillo können die Bilder sehr einfach und fast schon kindlich wirken, aber auch professionell, wie folgendes Beispiel zeigt:

Der User JFR malte dieses Werk

Die erstellten Bilder stehen unter einer Creative Commons Lizenz.

Brieffreundschaft 2.0

Früher schrieb man keine E-Mails sondern Briefe. Teilweise sogar in großem Stil. Wie viele Jugendliche damals, pflegte auch ich eine Brieffreundschaft – nach Australien. Leider kann ich mich nicht mehr an den Namen des Jungen erinnern, dem ich Fotos aus Deutschland schickte und der mir im Gegenzug Interessantes aus seinem Leben mitteilte. Doch die Vorfreude, die ich immer empfand, ist nicht in Vergessenheit geraten. Einen Brief aus dem fernen Ausland zu bekommen, war für mich ein tolles Ereignis.

In einer Zeit voller Echtzeitkommunikation versucht das Projekt Postcrossing nun, einen Schritt zurück zu gehen und nutzt dabei das Web 2.0. Statt Briefe kommen hier Postkarten zum Einsatz. Nach Anmeldung auf der Seite mit eurer vollständigen Adresse, bekommt ihr die Adresse eines anderen Users zugeteilt – irgendwo auf der Welt, per Zufall. Außerdem wird eine einmalige ID generiert, die das Nachverfolgen der Postkarte ermöglicht. Der Empfänger kann, nachdem er eure Karte erhalten hat, diese über Eingabe der ID bestätigen. In diesem Moment wird euch ein Credit gutgeschrieben. Dadurch wird eure Adresse in den Rotationspool aufgenommen und kann einem anderen User angezeigt werden.

Das bedeutet: Nur wer auch eine Postkarte schickt, kann eine bekommen. Nach dem Zufallsverfahren. Je mehr Karten verschickt werden, desto mehr wird man auch erhalten. Was genau auf die Karte geschrieben wird, bleibt jedem selbst überlassen. Die Seite zeigt außerdem an, wieviele Kilometer die Postkarte unterwegs ist und bietet auch die Möglichkeit ein Foto anzuhängen ist vorhanden. Darüber hinaus bietet Postcrossing übliche Community-Funktionen.

Mit einigen Wartezeiten müssen die Teilnehmer derzeit aber aufgrund der Aschewolke rechnen.

Link: Postcrossing – The Postcard Crossing Project

re:publica 2010 startet in Berlin

Die Vorfreude auf die Social-Media-Konferenz re:publica spürt man in allen Internetkanälen. Facebook und Twitter sind voll von Leuten, die ihre Gedanken zur größten Internettagung erzählen – oder zumindest ein paar Fotos von ihrer Reise nach Berlin weitergeben. 2500 Blogger und Internetbegeisterte. Was für eine unglaubliche Zahl. Ich glaube, das Orgateam rund um Johnny Haeusler und Markus Beckedahl hätte sich so einen Erfolg nie träumen lassen. Die Konferenz wächst jedes Jahr weiter, vielleicht ist das aber auch irgendwann ein Nachteil. Nämlich dann, wenn es in der Szene als kommerzielles Event wahrgenommen wird und nicht mehr die Netzkultur widerspiegelt.

Die Entwicklung ist noch nicht absehbar. Da nehmen sich die re:publica und das Internet nicht sehr viel. Solange die re:publica aber so bleibt wie sie im letzten Jahr war, wird sie mich als Besucher nicht verlieren. Ich freue mich auf einen regen Austausch und neue Erkentnisse in den kommenden drei Tagen.

Die Roboter sind im Anmarsch!

Aus dem dreiwöchigen Griechenurlaub wieder zurück, möchte ich Euch gleich etwas relativ Neues vorstellen. Dienste wie ping.fm oder hellotxt verstehen es bereits sehr gut als Multiplikator zu fungieren. Anstatt auf jeder einzelnen Plattform seine Statusmeldung einzugeben, genügt das einmalige Absenden, um die Information überall gleichzeitig erscheinen zu lassen. Robo.to ist da nicht anders. Mit dem Unterschied, dass hier lediglich zwei Dienste unterstützt werden: Twitter und Facebook.

robo.to hat ein sehr schmales Layout. Die Inhalte kann man im Contentbereich frei auswählen und anordnen. Flickr-Fotostreams können ebenso angezeigt werden wie die aktuelle Followerzahl und der letzte Tweet bei Twitter. Auf einer Google-Map kann der aktuelle Aufenthaltsort markiert werden, so dass alle Besucher wissen, wo man sich aufhält. Eine frei konfigurierbare Linkliste komplettiert den derzeitigen Funktionsumfang.

Was ich allerdings besonders schön finde, ist die Möglichkeit ein Kurzvideo aufzunehmen. Ohne Ton stehen nur wenige Sekunden zur Verfügung, was aber für eine kleine Botschaft immer reicht. Das aufgezeichnete Video kann dann betitelt und automatisch via Twitter oder Facebook veröffentlich werden. Eine nette Spielerei und ein etwas anderer Dreh im Web 2.0, den ich Euch hier an dieser Stelle empfehlen möchte.

Die Medien und die Blogger

Die Internetkonferenz “re:publica’09” bekam in den letzten Tagen ein mehr oder weniger großes Medienecho. Genügend Zeit ist verstrichen, um die unterschiedlichen Berichte im Internet und in Zeitungen zu lesen, die Fernsehbeiträge zu sehen und den Grundtenor herauszuhören. Am Ende sind die Blogger selbstverliebt, leben an der Realität vorbei und bewerten die Blogosphäre über. Die Relevanz des Web 2.0 wird immer wieder in Frage gestellt. Die Twittergemeinschaft verbreite jeden Müll auf 140 Zeichen, notwendig sei das nicht.

Etwas erstaunt bin ich über die Berichterstattung von Medien wie “On3 Südwild“, dem jungen Magazin des Bayerischen Rundfunks. Die Fragestellung des Jungredakteurs, der samt Kameramann am Friedrichstadtpalast seine Runden drehte, war zielgerichtet: “Würdest du deine Tweets auch auf Post-Its kleben?”, “Was ist das besondere an Twitter. Bitte nur auf 140 Zeichen antworten”. Das mag durchaus kreativ sein, verfehlt aber das Thema gänzlich. Denn der Zweck ist im Vergleich zu den kleinen gelben Zetteln ein völlig anderer. Meine Vermutung über die Intention des Autors hat sich heute bestätigt, als ich den fertigen Beitrag on demand gesehen habe. Von “Belanglosigkeiten” und “Datenmüll” ist hier die Rede. Tweets seien also nur Trash. Meine Antworten, die sich durchaus kritischer auf twitter bezogen, wurden rausgeschnitten. Interessant ist allerdings, dass “Südwild” selbst über einen eigenen Twitter-Account verfügt.

Natürlich lief bei der “re:publica” nicht alles gut. Natürlich waren einige Panels mangelhaft und wurden auch meinen Erwartungen nicht gerecht. Natürlich sind viele der sogenannten Alpha-Blogger sehr von sich überzeugt. Auch blieben wieder viele Fragen offen. Doch als Arroganz habe ich diese Veranstaltung nicht empfunden, auch nicht deren Macher oder Teilnehmer.

Die Welt wird vermutlich durch Blogs nicht maßgeblich verändert. Ich denke aber gerne an den Vortrag von Geraldine de Bastion zurück, “Blogging in Africa“. Er zeigte, dass die Meinung und Wahrnehmungen eines Bloggers aus Kenia, die dortigen Wahlen unverfälschter darstellten als die Berichterstattung der Medien vor Ort.

Letztendlich entscheidet über die Relevanz einer Ausdrucksform jeder einzelne selbst.

Winkler goes Web 2.0

Wir kennen Flickr, Tumblr, Blogr und all die schönen Plattformen, die bei ihrer eigentlichen Endung den Vokal “e” weglassen, um nach Web 2.0 zu klingen. Angeregt durch BA, dem ich an dieser Stelle herzlich für die Anmerkung danke, habe ich nun winklr.de registriert. Vorerst führt diese Domain auch direkt auf meinen Blog, jedoch spiele ich mit dem Gedanken die Weiterleitung auf eine Profilseite bei twitter oder MySpace zu schalten. Vielleicht fällt mir ja auch was ganz kreatives ein, das ich dann mit dieser Domain umsetzen kann. Als Kind des Internets ist diese Domain für mich ideal. Allerdings werden viele Leute den Gag nicht verstehen, sei’s drum.