Man vergisst schnell, in welchem luxorioesen Land wir eigentlich leben. Ein Krankenwagen braucht ca. 10 Minuten bis er ankommt, ein Taxi kann einfach angerufen werden und es faehrt einen wohin man will, und der Zebrastreifen hat zumindest fuer die meisten Autofahrer eine Bedeutung. Von roten Ampeln ganz abgesehen.
Meine Tante erzaehlte mir gestern Nacht auf dem Balkon, dass ihr der nette Herr am Notruf riet, lieber das Taxi zum naechsten Krankenhaus zu nehmen. Der Notdienst sei ueberlastet. Gut, im Normalfall haette man mit dem ein oder anderen Euroschein sicherlich schneller die Sanitaeter vor der Tuer stehen gehabt. Im Uebrigen reden wir hier von Athen, nicht von einem kleinen Kaff jenseits der Zivilisation.
Auch mit den Taxis ist das so eine Sache. Eigentlich ist es spottbillig in Athen mit dem Taxi zu fahren. Das Taximeter startet bei 1,01 Euro und steigt in humanen Schritten an. Fuer eine Strecke innerhalb Athens, die man in einer halben Stunde zuruecklegt, legt man 5 Euro auf den Tisch. Allerdings gibt es zwei Probleme: Auslaender werden gerne ueber Umwege zum Ziel chauffiert. Wer sich also nicht auskennt, sollte lieber den OEPNV nutzen, der auch gut ausgebaut ist. Hier weiss man lediglich nicht wann der naechste Bus kommt. Eine Zeittafel gibt es nicht, nur der Takt wird angegeben. Das zweite Problem ist der Faktor Glueck. Nur weil ein Taxi frei ist und vielleicht sogar nach Zuwinken anhaelt – wir kennen das aus den tollen Ami-Streifen – heisst das noch lange nicht, dass der Fahrer einen mitnimmt. Denn ER entscheidet, ob das Ziel ihm in den Kram passt. Wenn er gerade aus welchen Gruenden auch immer in eine andere Richtung faehrt, wird man kommentarlos am Rande stehen gelassen und muss dem naechsten Taxi ein Handzeichen geben. So vergeht schnell eine viertel Stunde bis sich jemand findet, der einen auch dorthin faehrt, wohin man moechte. Ein Taxi anrufen und bestellen geht nur im Vorfeld und das kostet zusaetzlich Geld.
Ausserdem sollte jeder aufpassen, der den Zebrastreifen ehrt. Weder ein Zebrastreifen noch ein Stopp-Schild oder eine rote Ampel haben eine anhaltende Wirkung auf die Autofahrer in Griechenland. Wenn frei ist, ist eben frei. Wenn dort jemand steht, soll er gefaelligst warten. Geschichten ueber das Einhalten der Fahrbahnmarkierung und des Blinkens erspare ich mir an dieser Stelle. Das wird ja nichtmal bei uns richtig beachtet. In diesem Zusammenhang macht eine Sache in Griechenland jedoch Spass: Das Anhupen und Beleidigen ist im griechischen Verkehr Gang und Gebe. Nirgends lernt man Schimpfwoerter schneller als auf den Strassen Athens.


