Die Internetkonferenz “re:publica’09” bekam in den letzten Tagen ein mehr oder weniger großes Medienecho. Genügend Zeit ist verstrichen, um die unterschiedlichen Berichte im Internet und in Zeitungen zu lesen, die Fernsehbeiträge zu sehen und den Grundtenor herauszuhören. Am Ende sind die Blogger selbstverliebt, leben an der Realität vorbei und bewerten die Blogosphäre über. Die Relevanz des Web 2.0 wird immer wieder in Frage gestellt. Die Twittergemeinschaft verbreite jeden Müll auf 140 Zeichen, notwendig sei das nicht.
Etwas erstaunt bin ich über die Berichterstattung von Medien wie “On3 Südwild“, dem jungen Magazin des Bayerischen Rundfunks. Die Fragestellung des Jungredakteurs, der samt Kameramann am Friedrichstadtpalast seine Runden drehte, war zielgerichtet: “Würdest du deine Tweets auch auf Post-Its kleben?”, “Was ist das besondere an Twitter. Bitte nur auf 140 Zeichen antworten”. Das mag durchaus kreativ sein, verfehlt aber das Thema gänzlich. Denn der Zweck ist im Vergleich zu den kleinen gelben Zetteln ein völlig anderer. Meine Vermutung über die Intention des Autors hat sich heute bestätigt, als ich den fertigen Beitrag on demand gesehen habe. Von “Belanglosigkeiten” und “Datenmüll” ist hier die Rede. Tweets seien also nur Trash. Meine Antworten, die sich durchaus kritischer auf twitter bezogen, wurden rausgeschnitten. Interessant ist allerdings, dass “Südwild” selbst über einen eigenen Twitter-Account verfügt.
Natürlich lief bei der “re:publica” nicht alles gut. Natürlich waren einige Panels mangelhaft und wurden auch meinen Erwartungen nicht gerecht. Natürlich sind viele der sogenannten Alpha-Blogger sehr von sich überzeugt. Auch blieben wieder viele Fragen offen. Doch als Arroganz habe ich diese Veranstaltung nicht empfunden, auch nicht deren Macher oder Teilnehmer.
Die Welt wird vermutlich durch Blogs nicht maßgeblich verändert. Ich denke aber gerne an den Vortrag von Geraldine de Bastion zurück, “Blogging in Africa“. Er zeigte, dass die Meinung und Wahrnehmungen eines Bloggers aus Kenia, die dortigen Wahlen unverfälschter darstellten als die Berichterstattung der Medien vor Ort.
Letztendlich entscheidet über die Relevanz einer Ausdrucksform jeder einzelne selbst.
Eine Erkältung bringt gerade die Pläne für diese Woche etwas durcheinander. Ursprünglich hatte ich vor drei Tage bei der Messe “re:publica’09” in Berlin zu sein. Eine 3-Tages-Karte für die ausverkaufte Veranstaltung hatte mir Valentin angeboten. Nachdem sich das zeitlich und organisatorisch aufgrund anderer Aufgaben und meiner Erkältung nicht realisieren lässt, werde ich das Event aber nur an einem Tag mit einer Tageskarte besuchen können. Auf den Tag in Berlin freue ich mich trotzdem. Morgen früh geht es mit dem Zug in die Hauptstadt und dort direkt in den Friedrichstadtpalast.
Die “re:publica” ist eine Konferenz, die sich mit Zukunfts- und Internetthemen beschäftigt. Bei verschiedenen Panels und Workshops können sich Besucher austauschen, eine Lounge sorgt für weiterführende Gespräche oder einfach nur Kennenlernsessions. Um seine real geknüpften Kontakte auch im Internet zu verbinden, werden sicher vermehrt die sogenannten Pokens zum Einsatz kommen. Ein Poken ist eine Art digitale Visitenkarte, die man als Schlüsselanhänger immer bei sich haben kann. Trifft man jemanden, der ebenfalls einen solchen Poken hat, kann man durch ein kurzes Aneinanderhalten seine Daten synchronisieren. Wieder am PC angekommen, gleicht man die erhaltenen Daten via USB-Port ab. So erspart man sich das übliche “Wie heisst du denn bei myspace?” und braucht zudem keinen Stift und Zettel. Vielleicht habe ich Gelegenheit einen solchen Poken morgen zu kaufen.