Persönlichkeiten im Radio

Ich zitiere aus einem Podcast der Lokalrundfunktage 2011:

Natürlich ist es Personality, wenn ein Moderator erzählt, was ihm gestern Abend beim Kneipenbesuch Außergewöhnliches passiert ist.

Sagt Martin Liss, der Geschäftsführer von ENERGY Berlin. Komisch, für mich waren genau solche irrelevanten Geschichten ein Abschaltgrund und belegen keineswegs eine echte Persönlichkeit. Natürlich kommt es auf die Machart an und auf die Glaubwürdigkeit. Aber oft lacht dann im Hintergrund der Sidekick künstlich über die ach so peinliche oder lustige Geschichte des Moderators.

Ja, Persönlichkeiten fehlen im Radio, weil nur wenige Leute echt sind. Wirklich sie selbst. Weil sie nicht so dürfen wie sie könnten, wenn sie dürften. Und weil sie schon in ihren Volontariaten in unsäglichen Hits-am-Stück-Sendungen jedes Gefühl für Authentizität verlieren.

Der Podcast ist hörenswert. In allen anderen Aussagen stimme ich Liss zu.

Bayern, deine Einschaltquoten

Es sind nur Zahlen. Viele Zahlen. Wenn am Dienstag in Nürnberg die offiziellen Einschaltquoten für den bayerischen Lokalrundfunk veröffentlicht werden, schauen alle ganz genau hin. Dabei ist die Funkanalyse Bayern (FAB) den Verantwortlichen bereits seit Dienstag bekannt, versehen mit einer Sperrfrist.

Einige Tage haben die Sender noch, die Zahlen zu analysieren und irgendwo etwas Positives zu finden, das man dann in der Pressemitteilung veröffentlichen kann. Verlierer gibt es bei dieser Erhebung keine, das zeigten die offiziellen Statements der letzten Jahre. Die Wirtschaftskrise hinterlässt auch bei Medienkonzernen ihre Spuren. Verlage nehmen ganze Titel aus dem Programm, schließen komplette Redaktionen. Der Fernsehsender GIGA mutierte zum reinen Online-Magazin und vereinzelt hört man von Entlassungen bei Radiosendern. Ja, wenn es der Wirtschaft schlecht geht, wird auch weniger Werbung gebucht. Das fällt auch im Fernsehen dann auf, wenn überdurchschnittlich viel Eigenwerbung läuft oder geplante Sendungen früher starten als angesetzt, wie bei Pro 7 kürzlich. In einer Zeit, wo sich jeder Sender genau überlegt wieviel Personal er sich leisten kann und will, sind es ausgerechnet die per CATI (Computer Assisted Telephone Interview) erhoben Daten, die relevant sind. Jeder von uns kennt die Situation, von einem Marktforschungsinstitut angerufen zu werden. Entweder wir legen sofort auf, oder wir versuchen das Interview schnell über die Bühne zu bringen. Dabei sich auch noch an das eigene Hörverhalten zu erinnern, das man weder bewusst wahrnimmt, noch genau nachvollziehen kann, ist nahezu unmöglich. Doch darauf baut diese Funkanalyse Bayern und präsentiert Jahr für Jahr Zahlen, die in der Szene schon lange keiner mehr für bare Münze hält. Und dennoch ist sie die Währung für den Sekundenpreis in Bayern. Damit steht und fällt die Wirtschaftlichkeit eines privaten Medienunternehmens.

Ein anderes Modell ist bereits seit 2001 erfolgreich in der Schweiz im Einsatz. Mit der Radio-Uhr lässt sich die Nutzung dann protokollieren, wenn sie stattfindet. Direkt am Radio, zum Zeitpunkt des Hörens. Mithilfe einer digitalen Armbanduhr, die in jeder Minute für einige Sekunden die Umgebungsgeräusche aufzeichnet, wird festgestellt, welcher Sender zu welchem Zeitpunkt gehört wurde. Einmal in der Woche werden die Geräte zur Auswertung dann ins Institut geschickt. Die Ergebnisse nach der Umstellung von Telefoninterviews zur Radio-Uhr zeigten vor allem, dass kleine Sender zulegen konnten. Repräsentativer wären die Zahlen in Deutschland mit dieser technischen Einrichtung allemal.

In diesem Jahr kommt mit der Wirtschaftskrise eine neue Herausforderung auf die Medien zu. Niemand weiß, ob sich der Markt in einem überschaubaren Zeitraum erholt. Ein schlechtes Abschneiden bei der FAB könnte für viele Mitarbeiter in den neuen Medien das Aus bedeuten. Es bleibt zu hoffen, dass die Geschäftsführer und Gesellschafter die Quoten richtig interpretieren und nicht voreilig Personalentscheidungen treffen.

Funkanalyse Bayern: Die Radio-Einschaltquoten

Beim Fernsehen werden sie täglich ermittelt, im Hörfunk dagegen sind sie eher Mangelware: Einschaltquoten. Bundesweit finden zwei Mal im Jahr Erhebungen über die Hörgewohnheiten statt. Bei der sogenannten “Media-Analyse” wird mit einem Telefoninterviewverfahren (Computer Assisted Telefphone Interview) das Hörverhalten analysiert und anschließend ausgewertet. Darüber hinaus werden statistische Informationen erfasst, etwa das Einkommen oder die Bildung der Befragten.

Die Telefonnummern werden via Zufallsgenerator in den jeweiligen Sendegebieten ermittelt. Eine örtliche Zuordnung per Handynummer kann aus technischen Gründen nicht erfolgen. Aus diesem Grund werden ausschließlich Festnetznummern gewählt. Dies ist einer der Kritikpunkte, der in der Branche umstrittenen “Media-Analyse”. Vor allem für Jugendradios stellt die Umfragemethode ein Problem dar, weil die Hauptzielgruppe meist nur über Mobiltelefone kommuniziert und somit völlig durch das Raster fällt. Das Erinnerungsvermögen der Hörer, das die Basis der Umfrage darstellt, steht ebenfalls in der Kritik. Wer kann schon genau sagen, wann er wie lange welches Programm gehört hat?

In Bayern gibt es mit der “Funkanalyse” eine ähnliche Erhebung. Die Erhebung findet einmal im Jahr statt, zwischen Januar und März. Im Juni oder Juli werden im Rahmen der Lokalrundfunktage in Nürnberg die Ergebnisse präsentiert, heuer am 01. Juli. Die Stationen erhalten die Zahlen allerdings mit einigen Tagen Vorlauf und einer Sperrfrist.

Egal wie die Ergebnisse in diesem Jahr ausfallen werden, eines ist sicher: Jede Radiostation wird sich wieder als Sieger feiern, findet man doch bei sovielen Zahlen immer auch Gute.

Update: Hier ein Artikel über die FAB 2009

Lokalrundfunktage 2007

Im Gegensatz zum Fernsehen erscheinen die Einschaltquoten beim Hörfunk nur einmal jährlich. Zumindest die werberelevanten Quoten für Nürnberg. Die Veröffentlichung dieser Zahlen wird mit einem großen Medienfest, den “Lokalrundfunktagen”, gefeiert. Radiomacher aus ganz Deutschland treffen sich in Nürnberg an der Messe um an Workshops teilzunehmen und letztendlich auch diese Quoten offiziell bekannt zu geben. Große Überraschungen gibt es dabei nicht, denn die Verantwortlichen der Sender bekommen die Ergebnisse der Marktforschung schon eine Woche vor den Lokalrundfunktagen.

Zum ersten Mal seit drei Jahren war ich am Dienstag wieder mit von der Partie. Neben den spannenden Workshops und dem ausgezeichneten Mittagessen ist das Medienfest auf der Nürnberger Kaiserburg einer der Höhepunkte. In ausgelassener Stimmung konnte ich hier mit Kollegen verschiedener Stationen wieder die Zahlen analysieren – bei kostenlosen Bratwürsten und Freibier. Dabei sind mir wieder viele neue Radiomenschen über den Weg gelaufen, mit denen es sehr interessant war, Gespräche zu führen. Es ist einfach schön zu wissen, daß es auch bei großen Sendern zum Teil die selben organisatorischen Probleme gibt wie bei uns.

Auf die anschließende Party im Mach 1 habe ich dankend verzichtet. Für solche Späße war es bereits zu spät.

Die Bilder findet ihr hier.