Es sind nur Zahlen. Viele Zahlen. Wenn am Dienstag in Nürnberg die offiziellen Einschaltquoten für den bayerischen Lokalrundfunk veröffentlicht werden, schauen alle ganz genau hin. Dabei ist die Funkanalyse Bayern (FAB) den Verantwortlichen bereits seit Dienstag bekannt, versehen mit einer Sperrfrist.
Einige Tage haben die Sender noch, die Zahlen zu analysieren und irgendwo etwas Positives zu finden, das man dann in der Pressemitteilung veröffentlichen kann. Verlierer gibt es bei dieser Erhebung keine, das zeigten die offiziellen Statements der letzten Jahre. Die Wirtschaftskrise hinterlässt auch bei Medienkonzernen ihre Spuren. Verlage nehmen ganze Titel aus dem Programm, schließen komplette Redaktionen. Der Fernsehsender GIGA mutierte zum reinen Online-Magazin und vereinzelt hört man von Entlassungen bei Radiosendern. Ja, wenn es der Wirtschaft schlecht geht, wird auch weniger Werbung gebucht. Das fällt auch im Fernsehen dann auf, wenn überdurchschnittlich viel Eigenwerbung läuft oder geplante Sendungen früher starten als angesetzt, wie bei Pro 7 kürzlich. In einer Zeit, wo sich jeder Sender genau überlegt wieviel Personal er sich leisten kann und will, sind es ausgerechnet die per CATI (Computer Assisted Telephone Interview) erhoben Daten, die relevant sind. Jeder von uns kennt die Situation, von einem Marktforschungsinstitut angerufen zu werden. Entweder wir legen sofort auf, oder wir versuchen das Interview schnell über die Bühne zu bringen. Dabei sich auch noch an das eigene Hörverhalten zu erinnern, das man weder bewusst wahrnimmt, noch genau nachvollziehen kann, ist nahezu unmöglich. Doch darauf baut diese Funkanalyse Bayern und präsentiert Jahr für Jahr Zahlen, die in der Szene schon lange keiner mehr für bare Münze hält. Und dennoch ist sie die Währung für den Sekundenpreis in Bayern. Damit steht und fällt die Wirtschaftlichkeit eines privaten Medienunternehmens.
Ein anderes Modell ist bereits seit 2001 erfolgreich in der Schweiz im Einsatz. Mit der Radio-Uhr lässt sich die Nutzung dann protokollieren, wenn sie stattfindet. Direkt am Radio, zum Zeitpunkt des Hörens. Mithilfe einer digitalen Armbanduhr, die in jeder Minute für einige Sekunden die Umgebungsgeräusche aufzeichnet, wird festgestellt, welcher Sender zu welchem Zeitpunkt gehört wurde. Einmal in der Woche werden die Geräte zur Auswertung dann ins Institut geschickt. Die Ergebnisse nach der Umstellung von Telefoninterviews zur Radio-Uhr zeigten vor allem, dass kleine Sender zulegen konnten. Repräsentativer wären die Zahlen in Deutschland mit dieser technischen Einrichtung allemal.
In diesem Jahr kommt mit der Wirtschaftskrise eine neue Herausforderung auf die Medien zu. Niemand weiß, ob sich der Markt in einem überschaubaren Zeitraum erholt. Ein schlechtes Abschneiden bei der FAB könnte für viele Mitarbeiter in den neuen Medien das Aus bedeuten. Es bleibt zu hoffen, dass die Geschäftsführer und Gesellschafter die Quoten richtig interpretieren und nicht voreilig Personalentscheidungen treffen.
Die Radiobranche hat eine berechtigte Angst um ihre Existenz. MP3-Player und Tauschbörsen machen dem Haupteinschaltgrund beim Radio, der Musik, mächtig Konkurrenz. Schon jetzt unterscheiden sich die Sender, mit einigen wenigen Ausnahmen, die man meist in öffentlich-rechtlichen Wellen findet, musikalisch kaum voneinander. Massentaugliches Programm erfordert massentaugliche Musik. Doch diese bekommt man inzwischen überall und wann immer man will. Die Zukunft liegt also meiner Meinung nach im Mehrwert des Hörfunks, in Informationen und authentischen Moderatoren. Wolfgang Aigner, seines Zeichens Wellenchef bei
Bemerkenswert war außerdem das Forum zum Thema “Recherche” mit Ulrich Kienzle. Kienzle erzählte aus seinem großen Erfahrungsschatz und regte mit zahlreichen Beispielen zum Nachdenken an. Viele Informationen würden in den Medien einfach zu leichtgläubig wiedergegeben, so Kienzle. Der Moderator der ehemaligen ZDF-Sendung “Hauser und Kienzle” bat um mehr Sorgfalt beim Aufbereiten von Meldungen und nannte Themenbereiche, die es wert wären, recherchiert zu werden. Anekdoten aus seinem bisherigen journalistischen Schaffen sorgten immer wieder für lachende Journalisten im Publikum. Ein sehr schöner Ausklang des “Süddeutschen Journalistentags”. Bitte mehr davon!
