Es ist wirklich schade, dass man offenbar keine reale Konstellation der Neuzeit in Computerspielen abbilden kann. EA hatte das im Ego-Shooter Medal of Honor zunächst versucht. Die ersten Informationen gaben an, Spieler könnten sich für die USA aber auch für die Taliban entscheiden. Das hat der US-Regierung aber gar nicht geschmeckt. Das Militär in den USA hat eigene Gameshops, die es Soldaten ermöglicht, PC-Spiele und somit auch Ego-Shooter zu erwerben. Dass die Spieler jedoch auch in die Rolle der Terroristen schlüpfen können, ging der Army zu weit. So wurde entschieden, dass das Spiel schlichtweg in den eigenen Läden nicht angeboten wird. Diesem Druck kam Electronic Arts jetzt nach und benannte die Taliban in “Opposing Force” um.
Aber wo liegt das Problem? Hat man tatsächlich Angst, die Loyalität der Soldaten würde durch ein PC-Spiel beeinträchtigt werden? Wenn ein US-Soldat Lust hat, die eigenen Kollegen virtuell abzuschießen, so what? Das würde mich eher hellhörig werden lassen und zum Überlegen anregen, ob denn in meiner Führung irgendetwas schief läuft. Die USA und die Taliban waren sich nun mal während der Operation Enduring Freedom – gelinge gesagt – spinnefeind. Wenn das in einem Computerspiel nachempfunden wird, sehe ich darin kein Problem.
Sobald reale Zusammenhänge in Spiele gebracht werden, fühlt sich sofort irgendjemand ans Bein gepisst. Doch genau die daraus resultierenden Verfremdungen, nehmen einem Spiel einen Teil der Authentizität. Wirklich schade, dass EA nicht hart geblieben ist. Political Correctness ist eine Sache für sich.



