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Internetsperren – jetzt auch bei Egoshootern?

Die Befürchtung, die viele Unterzeichner der Onlinepetition gegen Internetsperren hatten, hat sich bestätigt. Nur wenige Stunden nach der Verabschiedung des Gesetzes gegen Kinderpornographie im Internet hat die CDU/CSU neue Vorschläge für die Ausweitung der Netzsperren präsentiert. Diesmal befassen sich die entsprechenden Stellen mit den sogenannten “Killerspielen”.

Da ist sie also wieder, die Lieblingsthematik der Politiker. Wir müssen unsere Jugendlichen schützen, und “Killerspiele” machen sie zu Verbrechern. Nicht etwa eine Verschärfung des Waffengesetzes wird in Erwägung gezogen, die Ursache für Amokläufe wie in Winnenden wird immer wieder bei den “gewaltverherrlichenden” Computerspielen gesucht. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Strobl will prüfen lassen, ob solche “Killerspiele” jugendgefährdend sind und sie anschließend im Internet sperren.

Diese Games sind überwiegend reine Onlinespiele. Sie leben davon im Internet gespielt zu werden und wären nach einer solchen Sperre unbrauchbar. Allein die Bezeichnung “Killerspiele” gibt den Ego-Shootern ein schlechtes Image in der Öffentlichkeit. In Wirklichkeit handelt es sich bei Spielen wie “Counter Strike”, “Day of Defeat” und “Call of Duty” um taktische Spiele. Kontrollpunkte müssen eingenommen, Geiseln befreit werden. Um im Spiel erfolgreich zu sein ist Teamplay gefragt – und eine gute Strategie. Hinter manchen Titeln stecken ganze Handlungsstränge, die in Missionen unterteilt sind. Es steckt also viel mehr dahinter als das wahllose Abschiessen von virtuellen Gegenspielern, wie es gerne dargestellt wird.

Computerspielen ist schon seit langer Zeit ein Sport, eSport. Organisationen wie die ESL (Electronic Sports League) verwalten verschiedene Ligen, in denen sich Spieler aus der ganzen Welt gegeneinander messen können. Der Markt für Computerspiele boomt. Seit Jahren gibt es einen enormen Zuwachs an Verkäufen und ein steigendes Interesse, das sich in Messen wie der “Games Convention”/”Games Convention Online” bzw. “GamesCon” widerspiegelt. Die Auswirkungen auf die sowieso schwächelnde Wirtschaft wären gewaltig. Es wäre schön, wenn sich Poltiker die Mühe machen würden, einem größeren eSport-Event beizuwohnen. Sie würden feststellen, dass dort keine kranken Amokläufer rumlaufen, sondern Menschen wie du und ich, die Spaß haben an virtuellen Welten und tollen Spielkonzepten. Freilich sollten Eltern den Konsum dieser Spiele im Auge behalten und im Rahmen der Erziehung darauf achten, was ihre Kinder anstellen und wie sie auf bestimmte Reize reagieren. Egoshooter allerdings zu verbieten, um potenzielle Amokläufe zu verhindern wird ebenso wenig funktionieren, wie das Stoppschild bei Kinderporno-Seiten.

Die Forderung nach einer Ausweitung der Internetsperre erscheint kurioserweise zu einem Jubiläum: Heute vor zehn Jahren wurde die Grundlage für “Counter Strike”, den erfolgreichsten Egoshooter, gelegt: “Half-Life” wurde in einer ersten Betaversion veröffentlicht.