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Der Club ist kein Depp

Heute ist einer der wenigen Tage, an denen ich montags in die Redaktion komme und nicht belächelt werde. 4:1 gegen Stuttgart ist eben doch eine Marke. Sogar der sonst sarkastische Kollege aus der Technik kommt zu mir und flüsterte irgendwas von internationalen Plätzen. Wobei das dann wohl eher Ironie war. Der Mann ist offenbar wandlungsfähig.

Aber ich bin stolz auf die Nürnberger. Der dritte Sieg in Folge und das gegen Mannschaften wie Hamburg, Leverkusen und – nun gut – Stuttgart. Aber auch die muss man zuhause erstmal schlagen. Die Qualität des Kaders ist mindestens gleichwertig und da staunt man als Clubfan schon, wenn die Buden fallen, wie sie fallen. Ein wenig Mitleid hatte ich mit Julian Schieber, der nach seinem grandiosen Tor per Flugkopfball zunächst am Boden liegen blieb. Das hatte mich in der 90elf-Konferenz sogar so irritiert, dass ich anstatt “Tor” zu sagen, den Kollegen Hilgers noch einmal gefragt habe, ob der Treffer auch wirklich zählt. Er zählte.

Nürnberg ist in der Rückrundentabelle auf Platz 2, in der Heimtabelle auf Platz 4. Und so langsam glaub ich, dass der Club in diesem Jahr ausnahmesweise mal kein Depp sein wird. Hoffen wir’s.

Aufsteiger schlägt Meister

Immer wenn der 1. FC Nürnberg in einem Spiel in Führung geht, werde ich in den letzten Minuten der zweiten Halbzeit nervös. Eigentlich werde ich immer nervös, unabhängig vom aktuellen Spielstand. Schon zu oft saß ich vor dem Fernseher oder dem Radio und hörte wie in der Nachspielzeit entscheidene Tore gegen Nürnberg fielen. Dann war die Stimmung meistens im Keller. Ungefähr so wie der Club noch vor diesem Spieltag.

Heute sollten die letzten Minuten im Auswärtsspiel gegen den Deutschen Meister VfL Wolfsburg schön werden. Ausnahmsweise. Wider Erwarten raffte sich der Club auf und konnte mit einem Konter den Siegtreffer zum 3:2 in der Volkswagen-Arena erzielen. Peer Kluge erlöste mich im Konferenzstudio von 90elf in der dritten Minute der Nachspielzeit. Und überhaupt war das eines der besten Spiele, das ich von Nürnberg in der letzten Zeit gesehen habe. Nicht zu Unrecht sagte unser Reporter Stefan Grothoff, dass Nürnberg woanders stehen würde, könnten sie diese Leistung immer abrufen. Das war einfach schöner Fußball, toll kombiniert, schön herausgespielt – übrigens auch von den Wolfsburgern. Eine Klatsche hatte ich erwartet, ich wurde eines Besseren belehrt und freue mich nun umso mehr, meinen Feierabend anzutreten. Mit 3 Punkten im Gepäck und dem 14. Tabellenplatz. Die Abstiegszone bleibt jedoch nach wie vor in gefährlicher Nähe. Auf Lorbeeren kann sich Trainer Michael Oenning also nicht ausruhen.