Vorgestern hatte ich zu Guttenberg noch vor dem Riesen-Medienecho in Schutz genommen. Vor den ganzen Netzaktivisten, die in Wikis seine Doktorarbeit auseinandernehmen. Doch nun, zwei Tage und viele Kommentare später, habe ich meine Meinung geändert. Ausschlaggebend war letztendlich die Aktuelle Stunde im Bundestag, die ich gestern in meinem Kurzurlaub angeschaut habe.
Karl-Theodor zu Guttenberg hat enttäuscht. Bei seiner Rede fehlte mir echte Reue. Was ich mitbekommen habe waren Entschuldigungen, die nicht den Kern widerspiegeln, um den es geht. Immer noch schob er alles auf eine Überbelastung während seiner Doktorarbeit. Das darf keine Ausrede sein. Er sprach von handwerklichen Fehlern und korrigierte in seiner Rede falsche Daten in Fußnoten. Lächerlich.
Gestern hätte er die Chance gehabt, reinen Tisch zu machen. Er hätte sagen können, dass er damals einfach Scheiße gebaut hat, dass es ein großer Fehler war, Passagen in großem Stil zu übernehmen. Aber nein, er blieb bei seiner Behauptung, er habe nichts wissentlich kopiert. Und genau das kann ich ihm leider nicht abkaufen. Auch dass er als Verteidigungsminister in Verantwortung für zwei Bundeswehr-Universitäten steht, hatte ich nicht berücksichtigt. Natürlich muss er eine Vorbildfunktion erfüllen, die unter diesen Umständen nicht mehr gewährleistet ist.
Eigentlich bin ich jemand, der eine gefestigte Meinung hat und diese auch vertritt. Aber durch viele Argumente und vor allem diesem wiederholt uneinsichtigen Auftreten zu Guttenbergs, kann ich die Aufregung um seine Person verstehen. Die Universität Bayreuth hat ihm wie erwartet den Titel aberkannt und prüft nun eingehend, ob nicht doch eine bewusste Täuschung dahinter steckte. Das wird eine spannende Sache bleiben, die ihm am Ende der Untersuchung vielleicht doch noch den Posten kosten wird.
Als Verteidigungsminister macht zu Guttenberg für mich einen guten Job, die Bundeswehrreform halte ich für richtig. Aber charakterlich hat er mich gestern so sehr enttäuscht, dass er jede Glaubwürdigkeit verloren hat. Aus der Facebook-Gruppe bin ich inzwischen ausgetreten.


