Interview mit Eisblume

Ria / Foto: eisblume.de

Ria, die Leadsängerin der Berliner Band Eisblume, hat sich am Samstagabend für Tom und mich Zeit genommen und sich unseren Fragen gestellt. Als Kind ging Ria immer zu den Spielen von Hertha BSC Berlin. Auch die Weltmeisterschaft verfolgt sie und drückt dabei dem deutschen Team die Daumen. Gestern spielte sie mit ihrer Band auf der Berliner Fanmeile vor tausenden Fußballfans.

Im Gespräch erzählte sie uns ihre Einstellung zur Musik, beschrieb ihre Gefühle wenn Deutschland spielt und warf mit uns gemeinsam einen Blick in die Zukunft von Eisblume. Das Album Unter Dem Eis könnt ihr hier kaufen und direkt runterladen.

Das gesamte 90elf-Interview gibt es nach einem Klick auf den Play-Button:



re:publica 2010 – Das war’s

Es waren schöne Tage in Berlin, bei der wohl größten deutschen Social-Media-Konferenz. Die Zeit reichte für mich leider nur, um sechs Panels zu besuchen, dafür waren das aber sehr anregende Vorträge. Die Stimmung vor Ort war wie bereits 2009 sehr angenehm und ich konnte auch den ein oder anderen Twitterer persönlich kennenlernen.

Eine Sache ist mir in den drei Tagen bewusst geworden: Es gibt einige Alphablogger, die eine feste Größe in der Szene darstellen. Doch wer sind ihre Nachfolger, wo ist der Nachwuchs, der in die Fußstapfen von Niggemeier und Co. treten soll? Ich kenne kein deutsches Blog, das mich so fesselt, dass ich es als unabdingbar bezeichnen würde. Sicher, einige nette Seiten, aber mehr nicht. Ja, ich mache mir fast ein wenig Sorgen um die deutsche Blogosphäre. Nicht nur weil es offenbar wenige Nachkömmlinge gibt, auch weil zu viele belanglose Blogs existieren. Es liegt natürlich im Auge des Betrachters, was belanglos ist und was nicht. Jeder hat das Recht, seine Gedanken in Wörter zu fassen und einen Blog zu schreiben. Vielerorts sehe ich aber Blogs ohne eigenen Content, die keine Stellung beziehen, die nichts Eigenes oder zumindest Charakteristisches haben. Es scheint manchmal einfach “in” zu sein, ein Blog zu schreiben, ohne eigentlich richtig darauf Lust zu haben.

Der andere Eindruck, der sich bei mir während der re:publica eingestellt hat, war, dass der Kreis der Alphablogger so eingeschworen ist, dass eigentlich auch keine anderen Blogger geduldet werden. Bewusst oder unbewusst sei dahin gestellt. Vielleicht ist das aber auch der eben genannten Situation geschuldet. Oder einer unbegründeten, selbst aufgebauten Konkurrenzsituation.



re:publica 2010 startet in Berlin

Die Vorfreude auf die Social-Media-Konferenz re:publica spürt man in allen Internetkanälen. Facebook und Twitter sind voll von Leuten, die ihre Gedanken zur größten Internettagung erzählen – oder zumindest ein paar Fotos von ihrer Reise nach Berlin weitergeben. 2500 Blogger und Internetbegeisterte. Was für eine unglaubliche Zahl. Ich glaube, das Orgateam rund um Johnny Haeusler und Markus Beckedahl hätte sich so einen Erfolg nie träumen lassen. Die Konferenz wächst jedes Jahr weiter, vielleicht ist das aber auch irgendwann ein Nachteil. Nämlich dann, wenn es in der Szene als kommerzielles Event wahrgenommen wird und nicht mehr die Netzkultur widerspiegelt.

Die Entwicklung ist noch nicht absehbar. Da nehmen sich die re:publica und das Internet nicht sehr viel. Solange die re:publica aber so bleibt wie sie im letzten Jahr war, wird sie mich als Besucher nicht verlieren. Ich freue mich auf einen regen Austausch und neue Erkentnisse in den kommenden drei Tagen.



“Aha. Titten.”

…schreibt der Blogger Jens Scholz und meint damit die CDU-Plakatkampagne des Wahlbezirks Berlin Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost. Er ist nur einer von vielen Internetnutzern, dem das Wahlkampfmotiv von Vera Lengsfeld aufgefallen ist. Dabei ist Scholz’ Meinung noch relativ harmlos. Von “Unwählbarkeit”, “Sexismus” und “Hängetittenwahlkampf” ist die Rede in den Kommentaren des offiziellen Blogs der Bundestagskandidatin. Sehen wir uns den Aufreger doch einmal an:

Gute Argumente bei den Damen(Foto: CDU)

Lengsfeld zeigt sich auf dem Foto tief dekolletiert neben Kanzlerin Merkel, die zur Eröffnung von Oslos neuem Opernhaus ebenfalls nicht mit ihren weiblichen Reizen geizte. Sicherlich eine gewagte Kampagne, aber nicht die Aufregung wert, die derzeit die Runde macht. Eine Politikerin nutzt ein Foto, das bereits damals für Gesprächsstoff sorgte und versieht es mit einem gekonnten Wortwitz: “Wir haben mehr zu bieten”. Meiner Meinung nach nichts Verwerfliches. Ganz im Gegenteil, diese Kampagne macht Schlagzeilen wie kaum eine andere zuvor. Zeitungen wie der Tagesspiegel oder WELT KOMPAKT veröffentlichten das Plakat großflächig in ihren Ausgaben. Sinn und Zweck erfüllt. Eigentlich schade, dass der Humor mancher Leute so engstirnig ist.



re:publica’09 – Das Fazit

re:publica'09 - Bühne im Friedrichstadtpalast
Eine Internetkonferenz ohne Internet. Über weite Teile der dreitägigen Veranstaltung “re:publica’09 – Shift happens” konnten die Teilnehmer das WLAN nicht nutzen. Der Anbieter “Freifunk” schaffte es nur etappenweise das Internet verfügbar zu machen. Ironie des Lebens oder doch Schicksal? Zunächst hatte man geglaubt das Problem lokalisert zu haben. Die Firmware der eingesetzten Bridges hätte einen Bug, der über ein Update gefixt werden sollte. “In 20 bis 30 Minuten geht das Internet”, hiess es am ersten Tag. Die Besucher wurden aber immer wieder aufs Neue vertröstet. Der Internetentzug wurde via UMTS kompensiert.

Trotz dieses ärgerlichen Ausfalls verbrachte ich sehr interessante eineinhalb Tage in der Hauptstadt. Der Friedrichstadtpalast und die Kalkscheune erwiesen sich als ideale Locations, um die re:publica’09 stattfinden zu lassen. Lediglich am zweiten Tag kam es dann in der Kalkscheune bei dem ein oder anderen Panel zu Engpässen. Sei’s drum. Ich hab einiges gelernt und viele Gesichter, die ich nur aus dem Netz kannte, kennengerlent. Das fiel am Donnerstag Dank der Pokens noch etwas leichter, man kam einfach schneller ins Gespräch. Bei den Panels gab es auch qualitative Unterschiede. Einige Panels brachte nicht viel Input, teilweise sogar die gähnende Langweile, wie man auf der Twitterwahl lesen konnte. Andere wiederrum begeisterten das Publikum und regten an. Besonders interessant fand ich den Vortrag vom Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar und die anschließende Diskussion mit dem Publikum.

So ganz sicher bin ich mir allerdings nach diesen Tagen nicht, ob ich wirklich Ahnung vom Internet habe. Diese Konferenz hat mich etwas durcheinander gebracht. Bisher dachte ich, überdurchschnittlich viel Internet zu konsumieren und zu wissen, was ich da mache. Aber da sind Leute vor Ort gewesen, die echte Ahnung hatten. Andere wiederrum waren einfach nur Freaks oder Geeks. Allesamt aber sehr sympathisch, nett, offen, aufgeschlossen und einfach Internetverrückte, die die Entwicklung des Internets diskutierten. Kritisch, aber optimistisch. Es war eine herrliche Atmosphäre, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe. Vielleicht gehöre ich trotz meiner Zweifel ja doch (noch) dazu.

Alle Fotos zur re:publica’09 gibt es hier und bei flickr, wenn ihr nach dem Tag “rp09″ sucht.