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Sieben Stunden von Hamburg nach Leipzig

Mit diesem Stempel war die Zugbindung aufgehoben

Gestern war es anders als sonst. Die Bahn hatte zwar wieder Verspätung, aber dieses Mal lag es nur bedingt an der Deutschen Bahn. Weil irgendwelche Idioten Brandsätze gelegt hatten, kam der gesamte Zugverkehr Deutschlands durcheinander. Auch auf der Strecke zwischen Hamburg und Leipzig, für die wir eigentlich ein Ticket mit Zugbindung hatten. Doch der ICE um 15:08 Uhr fuhr nicht.

Schon komisch wie schnell man sich in einer Egoismus-Spirale verfängt. Man entwickelt eine Wut gegen diejenigen, die in der Nacht Brandsätze an Bahnhöfen gelegt haben, fühlt sich persönlich verarscht und könnte die Leute reihenweise ohrfeigen. Weil man vier Stunden später ankommt als geplant, weil die Sitzplatzreservierung umsonst bezahlt wurde. Wie erbärmlich man doch rückblickend sein kann. Eigentlich muss man froh darüber sein, dass Schlimmeres verhindert werde konnte und die Brandsätze rechtzeitig entdeckt wurden. Und das bin ich inzwischen auch.

Liveblog: Ein Tag mit der Bahn. Jetzt geht’s los. Mein bester Freund Philip und ich begeben uns auf Deutschlandreise für einen Tag. Wenn ihr auf den Link klickt, seid ihr im Liveblog. Dort könnt ihr uns auch Fragen schicken, die wir im Blog beantworten.

Projekt: Ein Tag mit der Bahn – morgen!

Wenn ihr einen Tag lang kostenlos quer durch Deutschland fahren könntet, welche Städte würdet ihr anfahren? Vor dieser Frage stehen mein bester Freund und ich gerade. 2000 bahn.bonus-Punkte und eine DB Tageskarte später, werden wir morgen mit einer Deutschland-Tour starten. Dabei wollen wir möglichst viele Orte anfahren und die meiste Zeit im ICE verbringen. Erschwerend ist hierbei, dass er in Hessen wohnt, ich in Sachsen und schon alleine für das Treffen gehen einige Stunden mit der Bahn drauf. Wo ist ein idealer Startpunkt, wie viele Städte kann man überhaupt an einem Tag anfahren?

Am Ende muss das Timing so stimmen, dass wir in einem Hotel übernachten können und am nächsten Morgen bis spätestens neun Uhr wieder an unseren Startbahnhöfen ankommen. Kein leichtes Unterfangen. Doch die Planung für den morgigen Tag läuft und wenn ihr Tipps habt, was man gesehen haben muss, wie man wo einen Zwischenstopp einlegen sollte, schreibt es in die Kommentare. Natürlich werden wir in einem Liveblog mit Bild, Ton und vielleicht auch Video alles dokumentieren. Bei Twitter findet ihr uns bereits unter dem Namen @bahntag.

Zugbeschäftigung

In fünf Stunden Zugfahrt von Wien nach Nürnberg kann man viel machen. Musik hören und lesen zum Beispiel. Oder einen in Österreich aufgezeichneten Podcast schneiden. Philip und ich haben all das getan, uns gut unterhalten und irgendwann Unreal Tournament über einen UMTS-WLAN-Router gegeneinander gespielt. Damit hätten wir uns endgültig das Prädikat “Freaks” verdient.

Die Bahn macht mich zur Frau

Kundenservice wird nicht bei allen Firmen groß geschrieben. Zum Glück gibt es das Service-Team der Deutschen Bahn, das innerhalb eines Tages auf meine Mail geantwortet hat. Auch wenn ich mir dessen bewusst bin, dass mein Spitzname “Konni” durchaus auch einer Frau zugeordnet werden kann, wundere ich mich schon ein wenig, mit diesen Worten begrüßt zu werden:

Sehr geehrte Frau Winkler,
vielen Dank für Ihre E-Mail.

Schließlich sieht das Formular, das die Bahn bekommen hatte, so aus:

Anrede: Herr
Vorname: Konstantin
Nachname: Winkler

Meine Anfrage hatte ich mit meinem vollständigen Namen unterschrieben. Außerdem betraf meine Anfrage ein Onlineticket, auf dem mein Geschlecht korrekt vermerkt ist. Muss man nicht verstehen, oder? Wenigstens wurde mein Anliegen zu meiner Zufriedenheit beantwortet. Ist ja auch nicht immer so.

Ganz laaaangsam

Es ist das Prestigeobjekt der Deutschen Bahn. Der Intercity-Express, inzwischen in der dritten Generation, schafft bis zu 300 km/h. Oder nur 100 Stundenkilometer, wenn die Lokführer keine Ahnung von der Strecke haben.

Die Strecke zwischen Leipzig und Nürnberg beträgt in etwa 280km. Normalerweise ist sie mit dem Auto in zweieinhalb Stunden, mit dem Zug in drei Stunden zu bewältigen. Ein Unwetter sorgte am Samstagmittag allerdings für einen Stellwerkausfall bei Saalfeld und eine damit verbundene Umleitung des ICE 1719 über Fulda. Die Passagiere staunten nicht schlecht, als bereits der dritte ICE unseren Zug überholte. Der Zugbegleiter wusste dies so zu begründen: „Bitte wundern sie sich nicht, dass uns die ganzen anderen ICEs überholen. Unsere Lokführer haben keine Streckenkenntnis und da ist die vorgeschriebene Höchstgeschwindigekeit 100 Stundenkilometer.“ Mit 80 Minuten Verspätung erreichten wir Nürnberg.

Es ist mir völlig neu, dass Lokführer auf festgelegten Strecken ausgebildet werden und nur diese beherrschen. Demnächst schleiche auch ich mit dem Auto auf der A 73, schließlich hatte ich meine Prüfungsfahrt auf der A 9 abgelegt.

Die Bahn bei eBay

Nun macht die Deutsche Bahn AG das nach, was in Schweden schon seit etwa einem Jahr erfolgreich läuft: Verkäufe über eBay. Kunden der Bahn sollen auf diesem Wege die Möglichkeit bekommen, Tickets für unterschiedliche Verbindungen günstiger zu erhalten. Am 01. August startet die Aktion, zunächst als Testballon und limitiert bis zum 10. August.

Jeden Tag bietet die Bahn ein “bahntastisches” Angebot, das wie gewohnt an den Höchstbietenden geht. Die ersten Auktionen umfassen ein Paket bestehend aus zwei Einzelfahrten zu beliebigen Bahnhöfen innerhalb Deutschlands, im Normalfall also eine Hin- und Rückreise. Ab einem Startgebot von 1 Euro kann man hier scheinbar für weniger Geld reisen.

Der Vergleich zu den regulären Preisen enttäuscht jedoch schnell. Bereits jetzt liegen die Gebote in Bereichen, die für einen “Bahncard 50″-Kunden überteuert sind. Da waren mir die Tchibo-Tickets lieber, die es einem zum Festpreis ermöglicht hatten, den Start- und Zielbahnhof selbst einzutragen. Und billiger waren sie auch noch. Darüber hinaus kommt die Einschränkung, die ersteigerten Tickets nicht an Freitagen einsetzen zu können. Schade Deutsche Bahn, wieder nichts gelernt.

Spaß im ICE

Normalerweise nutze ich die sieben Stunden Zugfahrt nach Nürnberg um etwas Schlaf zu bekommen. Doch dieses Mal sollte alles anders werden. Im ICE lernte ich Ramona, Nadine und Marlene kennen. Eigentlich kamen wir eher per Zufall ins Gespräch, durch ein kleines Reservierungs-Wirr-Warr. Selten war eine Zugfahrt so unterhaltsam und kurzweilig. Zwei der Mädels stecken in einer Fernbeziehung (Würzburg – Hamburg), Nadine hat eine solche hinter sich und war der Meinung, dass das nicht funktionieren kann – zumindest bei ihr. Da boten wir natürlich Paroli. Unterhaltsam war auch der Bundeswehrsoldat, der zwei Reihen vor uns ein Warsteiner nach dem nächsten getrunken und lautstark zur Musik seines mp3-Players “gesungen” hat. Immer wieder griff er zum Handy und lallte seinen Kumpel zu, er solle doch die Musik lauter machen, er würde am Telefon nichts hören. WTF?!

In Wismar war es übrigens überraschenderweise sehr mild. Auch der sonst nervige, kalte, ins Gesicht peitschende Wind blieb nahezu aus. Bei dem Wetter fängt Katharina jetzt wieder verstärkt mit Stricken an und ich kann stolz davon berichten, selbst eine Maschenreihe gestrickt zu haben. Petra bei Star FM bezeichnete dies heute kurzum als “schwul”. Wie dem auch sei, Katharina behauptet ja, dass Stricken ein Trend ist, der auch bald in Deutschland Einzug hält. Da bin ich mal gespannt.