Deutscher Radiopreis 2010: Gemischte Gefühle

Adel Tawil und Jochen Trus (Bester Moderator) / Bild: NDR/Marco Maas

Ich saß auf meiner Couch bei einer Tasse Tee. Nachdem ich am Abend nur selten dazu gekommen bin, den Deutschen Radiopreis im Internetlivestream zu verfolgen, entschied ich mich, die Wiederholung um Mitternacht im NDR Fernsehen anzuschauen. Um Mitternacht. Das spricht nicht unbedingt für einen hohen Stellenwert des Radiopreises an sich.

Das Event war eine Gala, die sich an üblichen Preisverleihungen orientierte. Wenige Änderungen zu den Goldenen Kameras dieser Welt. Eine Moderation, eine Laudatio, eine Preisübergabe, eine Dankesrede. Dazwischen Live-Acts wie Phil Collins oder Lena Meyer-Landrut. Die Moderation der Veranstaltung übergab man Kathrin Müller-Hohenstein, die es bei diesem Publikum nicht unbedingt leicht hatte. Denn zum Einen schienen die Anwesenden etwas lustlos zu sein und permanent zu gackern. Zum Anderen kommt Müller-Hohenstein aus der gleichen Zunft und da wird doch genauer und kritischer hingeschaut. Weiterlesen

Der Deutsche Radiopreis wird verliehen

Ich bin wirklich gespannt, welche Sender heute Abend beim ersten Deutschen Radiopreis eine Auszeichnung bekommen werden. Eines kann ich vorweg schon einmal verraten: 90elf wird keinen erhalten. Wir hatten uns in der Kategorie “Bestes Sportformat” beworben. Nachdem ich das Konzept unseres Senders relativ einmalig und innovativ finde, wird es interessant zu erfahren, wem hier der Vorzug gegeben wurde und mit welcher Begründung.

Die Veranstaltung findet in diesem Jahr zum ersten Mal statt. Ein wenig habe ich das Gefühl, dass das eine große Imagekampagne für das Medium werden soll. Denn das Radio wird als Nebenbei-Medium heuzutage eher als Dudelfunk empfunden, das ständig die selben Songs spielt und wenig echte Persönlichkeiten zulässt. Hört man Radioprofis von “damals” reden, ist das heute alles nur noch unemotionaler Müll, der über den Äther geht und im Internet verbreitet wird. Moderatoren lesen vorgefertige Moderationen ab, klingen künstlich und werden in Formate gesteckt, in denen sie nur wenig Spielraum für Ideen und eine eigene Persönlichkeit haben. Dass das nicht überall der Fall ist und manche Sender durchaus Mut haben, innovative Formate fernab der üblichen Wetter-Verkehr-Alle-15-Minuten-Shows zu etablieren, soll heute Abend bewiesen werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Radiosender über kurz oder lang anders positionieren werden müssen und nicht mehr über die Musik. Denn die ist überall verfügbar, im Radio und vor allem im Netz on demand, jederzeit. Den Unterschied wird man nur noch über den Inhalt des eigentlichen Programms machen können. Persönlichkeiten und authentische Identifkationsfiguren werden wichtig sein, und Inhalt, der interessiert und sich von anderen Stationen deutlich unterscheidet. Dabei wird auch das Internet eine immer stärkere Rolle einnehmen.

Ich hoffe wirklich sehr, dass heute Abend kluge Köpfe Preise bekommen werden, die verstehen wie Radio funktioniert und auch sein muss. Das wäre tatsächlich wichtig für die gesamte Branche.