Amazon verzichtet auf Internet Explorer 6

In diesen Tagen bekommen auf Anordnung der EU-Komission alle Windows-Nutzer die Frage gestellt, welchen Internetbrowser sie in Zukunft nutzen möchten. Dabei stehen neben den üblichen Verdächtigen Microsoft Internet Explorer, Firefox und Opera auch die weniger bekannten Programme wie Maxthon oder Green Browser zur Wahl. Um diese Richtlinie umsetzen zu können, gab es ein eigenes Windows-Update, das die sogenannte Browser Choice umsetzen soll.

Da kommt die Meldung aus dem Hause Amazon irgendwie passend. Die Plattform wird ab Ende des Monats bei der Programmierung ihrer Seiten keine Rücksicht mehr auf den Internet Explorer 6 nehmen. Das Unternehmen will sich damit von der Last befreien, die Kompatibilität zu einem veralteten Browser gewährleisten zu müssen. Amazon weist in der Verlautbarung auf die Langsamkeit und die Sicherheitslücken des fast neun Jahre alten Browsers hin und bittet vor allem Verkäufer auf die aktuelle Version upzudaten.



Kindle DX ist da

Amazon hat den Verkauf des eBook-Readers Kindle DX gestartet. Nettes Gerät, jedoch mit einigen Einschränkungen für Deutschland. So können beispielsweise Blogs hierzulande vorerst nicht gelesen werden. Auch der experimentelle Browser ist noch nicht einsatzfähig. Könnte aber den endgültigen Durchbruch bringen.

Natürlich, in erster Linie soll man mit dem neuen Kindle DX Bücher lesen können. Dafür ist das Gerät einfach perfekt. Das Display gleicht einem Blatt Papier. Hält man den Kindle in der Hand, sieht es fast so aus als würde eine Demofolie auf dem Gerät kleben. Eine täuschend echte Abbildung von Text und Bild. Und wie das bei einem Blatt Papier so ist, fehlt auch hier die Hintergrundbeleuchtung. Wer lesen will, braucht also Licht, wie bei einem richtigen Buch. Auch PDF-Dokumente werden ab Werk unterstützt, was Business-Nutzern aber auch Studenten gefallen könnte. Allerdings muss man mit Schwarz-Weiß und Grau vorlieben nehmen, das Display unterstützt keine Farben. Per Knopfdruck konnte schon beim kleinen Bruder, dem 6-Zoll-Gerät, eine Seite gedreht werden. Beim Kindle DX übernimmt ein Lagesensor das automatische Drehen, sobald der Kindle horizontal gehalten wird.

Erstaunt hat mich das Vertriebs-Konzept für die digitalen Bücher. Dafür ist jeder Kindle DX mit einer SIM-Karte ausgestattet, die sonst in Handys und UMTS-Karten Platz findet. Ein Deal mit dem amerikanischen Mobilfunkbeteiber AT&T ermöglicht es, weltweit ohne zusätzliche Gebühren online zu gehen und sich Bücher innerhalb 60 Sekunden herunterzuladen, so das Versprechen. Was Amazon da anbietet und als “Global Wireless” bezeichnet, ist also eine weltweite UMTS-Flatrate für den Erwerb von Büchern, völlig unabhängig von WLAN-Hotspots. Roaminggebühren fallen keine an, es besteht schließlich auch kein Nutzungsvertrag und somit keine Verpflichtung für den Kunden.

Die ständige Verfügbarkeit des Internets bietet einen weiteren Vorteil. Bei Amazon können Zeitungsabonnements abgeschlossen werden. Der tägliche Gang zum Briefkasten bleibt dadurch erspart. Der Kindle lädt sich die aktuellen Ausgaben automatisch. So kann die Lieblingszeitung oder -zeitschrift auch im Urlaub ohne zusätzliche Kosten gelesen werden. Egal, wo man ist. Die Auswahl an deutschen Zeitungen ist derzeit aber noch überschaubar und somit ausbaufähig.

Sobald mehr deutschsprachige Bücher und Zeitungen verfügbar sind, werde ich mir die Anschaffung überlegen. Ich tendiere aber zur 6-Zoll-Variante. Hier wurde leider in der aktualisierten Version der SD-Kartenslot eingespart. Für den DX, den Amazon übrigens aus den USA liefert, zahlt man ca. 350 Euro. Die kleine Version ist für umgerechnet 180 Euro erhältlich.



Der digitale Wert

Kürzlich unterhielt ich mich mit einer Bekannten über die Wertschätzung der heutigen Gesellschaft. Wir überlegten uns, wie Bücher und Musik in Zukunft genutzt werden würden und welche Auswirkungen das hätte. Einig wurden wir uns in dieser Diskussion nicht, hatten aber Verständnis für die unterschiedlichen Ansichten.

Musik

Apple hat am Dienstag vor einer Woche das Preismodell seines iTunes-Stores verändert. Die Songs kosten nun nicht mehr pauschal 99 Cent, sondern sind in 3 Abstufungen erhältlich: 69 Cent, 99 Cent und 1,29 Euro. Der Markt für den digitalen Musikerwerb verändert sich, nachdem Plattenfirmen Druck gemacht und höhere Preise gefordert hatten. Kein Wunder, hat man doch die Entwicklung im Internet fahrlässig verschlafen und will dennoch am großen Kuchen beteiligt werden.

Der Kauf von Songs im Internet wird immer populärer. Inzwischen hat Amazon auch in Deutschland seinen mp3-Shop eröffnet und lädt ein, Musik rund um die Uhr herunterzuladen. Ich persönlich entscheide mich eigentlich lieber für die CD, es sei denn die Alben sind online deutlich preiswerter. Eine CD in den Händen zu halten, einlegen zu können und das Booklet zu durchstöbern gehört für mich zum Kauf dazu. Umso ärgerlicher ist es, wenn das Booklet lieblos lediglich zwei Seiten enthält. In den letzten Wochen fällt mir aber verstärkt auf, dass der Preis am Ende das schlagende Argument für mich ist. Das Kauferlebnis besteht aus Downloaden und Anhören, mein CD-Regal wird dadurch nicht bereichert. Wenn ich das Album über meine Anlage hören will, muss ich es erst brennen. Auf ein Booklet muss ich gänzlich verzichten.

Bücher

Heute hielt ich eines dieser E-Book-Lesegeräte in den Händen. Zunächst dachte ich beim Ausstellungsstück sei eine “Demo”-Folie aufgeklebt, so unecht sah das Display aus. Aber das hochauflösende Panel täuschte mich mit seiner beeindruckenden Schärfe und angenehmen Lesbarkeit. Es verhält sich wie mit echten Büchern. In der Dunkelheit muss eine Lampe eingeschaltet werden, denn eine Hintergrundbeleuchtung ist nicht integriert. Dafür ist der Reader sehr effizient: Mit einer Akkuladung kann man ca. 7000 Seiten umblättern. Bis zu 160 Bücher immer dabei, ohne viel schleppen zu müssen, stromsparend und komfortabel. Doch auch diese Technik hat ihre Nachteile. Die E-Books kosten genau so viel wie die richtigen Bücher und sind meist via DRM kopiergeschützt. Anscheinend machen die Verlage hier den selben Fehler wie die Plattenindustrie zu Beginn der Digitalisierung. Ein solches Gerät kostet ca. 300 Euro, ein stolzer Preis für den Komfort, der derzeit das einzige Kaufargument sein kann.

Doch eine Frage bleibt auch hier: Kann man etwas, das man einfach mal schnell runterlädt genauso wertschätzen wie etwas, das man in den Händen hält? Ein Buch mit 600 Seiten hat sein Gewicht, seinen eigenen Geruch. Man spürt das Umblättern und die Beschaffenheit des Papiers. Stellt Euch Bibliotheken vor, in denen es keine Regale, sondern nur noch Terminals gibt, an denen man seine Leihbücher auf den E-Book-Reader lädt. Eine solche Entwicklung fände ich schade, wenn ich auch nicht glaube, dass sich in den nächsten 5-10 Jahren die “normalen” Bücher vom Markt verabschieden werden. Dazu sind sie zu sehr in der Kultur und Gesellschaft integriert und verankert.