Löw nominiert Gündogan. Ganz ehrlich, allmählich finde auch ich die Nominierungspraktikten Jogi Löws etwas seltsam. Ilkay Gündogan wechselte vom 1. FC Nürnberg zu Borussia Dortmund und bekommt prompt die Nominierung für den A-Kader der Nationalmannschaft. Wohl kaum, weil er in den paar Spielen bisher eine überragende Leistung zeigte und sich damit auffällig gemacht hat. Die Entscheidung Löws muss auch auf dem basieren, was Gündogan in der vergangenen Spielzeit beim Club gezeigt hat. Nur: Warum holt Löw einen solchen Spieler nicht früher und wartet erst darauf bis er beim Deutschen Meister unterschreibt? Schon komisch.
Tag-Archiv: 1. FC Nürnberg
Einmal wieder Fan sein

Das Frankenstadion nach der Saisoneröffnung gegen Ajax Amsterdam
Viel zu selten kann ich im Stadion sein, wenn mein Heimatverein spielt. In den meisten Fällen sehe ich den Spielen des 1. FC Nürnberg aus dem Konferenzstudio bei 90elf zu. Ab und zu ergibt sich aber die Gelegenheit und dann zieht es mich nach Nürnberg.
Am Samstag hatte der Club die neue Spielzeit eingeläutet, mit einem Familienfest, einer Autogrammstunde und einem Freundschaftsspiel gegen den niederländischen Rekordmeister Ajax Amsterdam. Das war schön, auch wenn die Kulisse mit 15.000 Fans eher mau war. Ferienzeit eben. Hat mich aber nicht gestört, denn ich konnte mir ein Bild von Nürnbergs Neuzugängen machen und einen verdienten 2:0-Sieg miterleben. Am meisten hat mich Robert Mak überzeugt, der im Gegensatz zu den anderen Spielern tatsächlich 100 Prozent gegeben hatte und darüber hinaus ein Traumtor erzielte. Anschließend ließ ich mein mitgebrachtes Trikot von den Spielern unterschreiben. Wie früher eben.
Bitte lächeln, Almog!

Almog Cohen und ich nach dem Mannschafts-Training
Dass Bundesliga-Spieler sich den Allerwertesten wundverdienen, ihr Hobby dabei zum Beruf gemacht haben und schicke Schlitten fahren, wissen wir alle. Beim Training des 1. FC Nürnberg ist mir aber ein weiterer Aspekt des Fußball-Profi-Daseins aufgefallen: Der Star-Faktor.
Es ist nicht zu unterschätzen, welche Vorbildfunktion die Spieler einnehmen und wie sie diese im Anschluss an das Training durch Autogramm- und Fotowünsche zu spüren bekommen. Ich habe am Dienstag genauer hingeschaut und gemerkt, dass jeder Club-Spieler seine Aufgabe gegenüber den Fans anders wahrnimmt.
Javier Pinola hat sich beispielsweise extrem viel Zeit genommen und war sich um keinen Wunsch zu schade. Weniger erfreulich blickte dagegen Rapahel Schäfer drein, der zudem sehr schnell von der Bildfläche verschwand. Routinier Marek Mintal kostete die Aufmerksamkeit der Fans nach dem Training aus und posierte gekonnt vor den Digicams und Handys. Philipp Wollscheid ließ sich von vielen Mädels anhimmeln und ablichten. Youngstar Almog Cohen blieb mit am längsten am Trainingsgelände, unterhielt sich freundlich mit seinen Anhängern und wirkte am fröhlichsten kurz bevor der Regenschauer auf dem Clubgelände niederprasselte. Und er gab auch mir noch einen kleinen Schnappschuss auf dem ich grenzdebil gucke.
Ich finde es nicht schlimm, wenn einige Spieler schnell weg sind oder nicht Fröhlichkeit ausstrahlen. Sie werden schon ihre Gründe haben. Erschöpfung, persönliche Dinge. Außerdem hätte ich nach dem Training auch nicht jedes Mal Lust auf Massen, die mich verschlingen wollen.
Der Club ist kein Depp
Heute ist einer der wenigen Tage, an denen ich montags in die Redaktion komme und nicht belächelt werde. 4:1 gegen Stuttgart ist eben doch eine Marke. Sogar der sonst sarkastische Kollege aus der Technik kommt zu mir und flüsterte irgendwas von internationalen Plätzen. Wobei das dann wohl eher Ironie war. Der Mann ist offenbar wandlungsfähig.
Aber ich bin stolz auf die Nürnberger. Der dritte Sieg in Folge und das gegen Mannschaften wie Hamburg, Leverkusen und – nun gut – Stuttgart. Aber auch die muss man zuhause erstmal schlagen. Die Qualität des Kaders ist mindestens gleichwertig und da staunt man als Clubfan schon, wenn die Buden fallen, wie sie fallen. Ein wenig Mitleid hatte ich mit Julian Schieber, der nach seinem grandiosen Tor per Flugkopfball zunächst am Boden liegen blieb. Das hatte mich in der 90elf-Konferenz sogar so irritiert, dass ich anstatt “Tor” zu sagen, den Kollegen Hilgers noch einmal gefragt habe, ob der Treffer auch wirklich zählt. Er zählte.
Nürnberg ist in der Rückrundentabelle auf Platz 2, in der Heimtabelle auf Platz 4. Und so langsam glaub ich, dass der Club in diesem Jahr ausnahmesweise mal kein Depp sein wird. Hoffen wir’s.
Eine Geschichte aus der Heimat
Ich fahre in einem vollen Bus durch die Nürnberger Innenstadt. Es ist kurz nach 18 Uhr und die Clubfans sind noch unterwegs nach Hause. Sie stehen neben mir, sitzen hinter mir, schweigen. Wieder einmal hat der 1. FCN verloren. 1:3 gegen Kaiserslautern. Und Wolf hat nen Elfmeter verschossen. Wieso darf der jetzt Elfer schießen? Klar, Pinola weg, Nilsson weg, das tut weh. Aber Wolf und Elfer? Und was sucht Vidosic in der Startelf? Egal. Wir fahren in Richtung Hauptmarkt.
Die Weihnachtsbuden stehen schon auf dem Markt, das ist jetzt in ganz Deutschland so. Nur die Menschenmassen fehlen hier noch. Dafür ist die winterliche Kälte schon da und der dunkle Himmel schon seit kurz nach fünf. Ich schlendere über den Marktplatz, laufe hoch zur Lorenzkirche, sehe die Menschen schon mit dem Glühwein in der Hand. Zwei Euro und ein Euro Pfand für die Glühweintassen von 2009. Ich atme tief ein und nehme die ersten Zimtspuren in der Luft wahr. Alles ist schon angerichtet und bald geht es wieder los. Dann füllen sich die Straßen, die Menschen rennen wie irre in die Kaufhäuser und organisieren Weihnachtsgeschenke. Weiterlesen
Wäre der Club abgestiegen

Frankenstadion während der Relegation 2010 / Foto: Konstantin Winkler
Das Radio ist das schnellste klassische Medium der Welt. Deshalb muss es auch schnell reagieren können, wenn Dinge absehbar sind oder bevorstehen. Im Falle der Relegation um die 1. Bundesliga hätte der 1. FC Nürnberg durchaus absteigen können. Das Aus hätte aber schon nach dem Spiel gegen Köln kommen können. Für diese Eventualität produzierte ich für 90elf einen Abstiegsbeitrag, der die Saison des Clubs zusammengefasst hat. Es verhält sich hier wie bei Nachrufen auf anderen Radiosendern. Diese werden meist schon vorab geschrieben und kontinuierlich ergänzt und aktualisiert. Im Todesfall hat die Redaktion dann umgehend einen aktuellen Nachruf für die verstorbene Person parat.
Damit die Arbeit nicht ganz umsonst war, könnt ihr hier meinen Abstiegsbeitrag über den 1. FC Nürnberg hören. Stellt Euch also vor, der FCN wäre abgestiegen…
Der 1. FC Nürnberg ist abgestiegen
Zum Glück musste dieser Beitrag nie laufen. In der Relegation gewann der Club das Hinspiel gegen Augsburg mit 1:0 und das Rückspiel mit 2:0. Berücksichtigt man außerdem die Relegation 2009, so hat Nürnberg in vier Relegationsspielen keine Gegentore kassiert.
Dieser Artikel ist auch im offiziellen 90elf-Blog erschienen.
Das bayerische Derby um die 1. Bundesliga
Eigentlich war es klar, dass es so kommen würde. Die in der letzten Saison wieder eingeführten Relegationsspiele scheinen den Club magisch anzuziehen. Vielleicht kommt es bald zum neuen Höhepunkt beim 1. FC Nürnberg: Rekord-Relegationsmannschaft. Und dann auch noch gegen den FC Augsburg, gegen einen starken Zweitligisten in etwa 150 Kilometern Entfernung.
Kinder, wir hätten uns das alles ersparen können. Wenn der Club sich in wichtigen Momenten einfach mal zusammengerissen hätte, anstatt desolat auf dem Feld rumzustehen, wäre das alles anders gekommen. Dann hätte womöglich der gestrige Sieg gegen Köln für den Klassenerhalt gereicht, ohne die Relegation beanspruchen zu müssen. Stattdessen zittern wir als einziger Bundesligaverein noch, während für die anderen die Saison bereits gelaufen ist. Bescheuert. Und unnötig. Ganz davon abgesehen, dass der Kollege und bekennende 96-Fan Herwig nun von mir drei Kugeln Eis bekommt. Ja, ich sollte nicht auf den Club wetten. Das hat früher schon bei bwin nicht geklappt und bei lapidaren Wetteinsätzen ist man auch immer der Verlierer. Siehe Samstag.

Foto: Konstantin Winkler
Als der Club 2009 im Rückspiel gegen Cottbus den Einzug ins Oberhaus gefeiert hatte, war ich mit dabei. Ich saß neben unserem Reporter Günther Koch im wundervollen Frankenstadion und fieberte dem Aufstieg entgegen. Damals fegten wir Energie Cottbus vom Platz. Die Ausgangslage war aber eine leichtere und Cottbus ein ebenfalls leichterer Gegner. Zumindest empfinde ich den FC Augsburg mit seinem Torjäger Michael Thurk und dem gefährlichen Marcel Njeng als schwere Aufgabe.
Das Wiedersehen mit Dominik Reinhardt wird übrigens wohl erstmal das letzte sein. Denn der FCA hat den Clubverteidiger nicht nur wie bisher ausgeliehen sondern bis 2013 an den Verein gebunden. Dafür flossen rund 500.000 Euro. Aber was bedeutet schon Geld, wenn der FCN möglicherweise die Klasse nicht halten kann. Am Sonntag sind wir alle schlauer.
Wie die Relegation genau verläuft, könnt ihr hier, auf der offiziellen Seite des 1. FC Nürnberg, nachlesen.
Aufsteiger schlägt Meister
Immer wenn der 1. FC Nürnberg in einem Spiel in Führung geht, werde ich in den letzten Minuten der zweiten Halbzeit nervös. Eigentlich werde ich immer nervös, unabhängig vom aktuellen Spielstand. Schon zu oft saß ich vor dem Fernseher oder dem Radio und hörte wie in der Nachspielzeit entscheidene Tore gegen Nürnberg fielen. Dann war die Stimmung meistens im Keller. Ungefähr so wie der Club noch vor diesem Spieltag.
Heute sollten die letzten Minuten im Auswärtsspiel gegen den Deutschen Meister VfL Wolfsburg schön werden. Ausnahmsweise. Wider Erwarten raffte sich der Club auf und konnte mit einem Konter den Siegtreffer zum 3:2 in der Volkswagen-Arena erzielen. Peer Kluge erlöste mich im Konferenzstudio von 90elf in der dritten Minute der Nachspielzeit. Und überhaupt war das eines der besten Spiele, das ich von Nürnberg in der letzten Zeit gesehen habe. Nicht zu Unrecht sagte unser Reporter Stefan Grothoff, dass Nürnberg woanders stehen würde, könnten sie diese Leistung immer abrufen. Das war einfach schöner Fußball, toll kombiniert, schön herausgespielt – übrigens auch von den Wolfsburgern. Eine Klatsche hatte ich erwartet, ich wurde eines Besseren belehrt und freue mich nun umso mehr, meinen Feierabend anzutreten. Mit 3 Punkten im Gepäck und dem 14. Tabellenplatz. Die Abstiegszone bleibt jedoch nach wie vor in gefährlicher Nähe. Auf Lorbeeren kann sich Trainer Michael Oenning also nicht ausruhen.
Der Rekord-Aufsteiger ist wieder da!

Fußballfans stürmen auf das Spielfeld, schneiden Stücke des Rasens als Souvenir aus. Szenen, die man sonst nur von Meisterschaftsfeiern oder Pokalsiegen kennt. Oder von Club-Aufstiegen.
Der 1. FC Nürnberg ist – mal wieder – in die 1. Liga aufgestiegen. Im Rückspiel der Relegation machte der Club den Sack zu und siegte mit 2:0. Nach Abpfiff stürmten die Fans das Spielfeld, trotz der mehrfachen Aufforderung des Stadionsprechers, den Rasen nicht zu betreten. Pustekuchen, das war schon immer so in Franken. Club-Präsident Michael A. Roth kündigte im Vorfeld an, dass keine Aufstiegsfeier organisiert sei und dass man spontan feiern würde. Genau so wirkte das auch. Eher schlecht als recht standen die Spieler auf der Haupttribüne, auf der Fläche, wo sonst die TV-Kameras aufgebaut sind. Kapitän Andy Wolf bekam als erster das Mirkofon in die Hand und hatte nichts besseres zu tun als zunächst Anti-Fürth-Lieder einzustimmen: “Alle Blumen blühen, nur das Fürther Kleeblatt nicht”. Enttäuschend, sollte man doch vielleicht zunächst den Fans danken und solche Späße dann im Nachhinein veranstalten.
In der Mixed-Zone warteten die Medienvertreter auf die Spieler, um Interviews zu führen. Diese hatten aber vielmehr Lust die Presse mit Bierduschen zu erfreuen. Kameramänner und Fotografen versuchten ihr Equipment in Sicherheit zu bringen, das gelang allerdings nicht allen.
Gefeiert wurde im Anschluss nicht nur im Frankenstadion sondern auch auf der Wöhrder Wiese, wo bereits im Vorfeld eine Leinwand zum Public Viewing aufgebaut war. Ein toller Tag mit vielen Eindrücken, die ihr hier nachschauen könnt. WIR SIND DER CLUB!