
Julian Assange / Foto: Espen Moe (CC)
Eigentlich begann alles mit den Vergewaltigungsvorwürfen gegen WikiLeaks-Chef Julian Assange. Seit diesen Anschludigungen wackelt das Konstrukt des Whistleblower-Portals gewaltig, auch wenn dies vielleicht nicht die Ursache aller Probleme war. Interne Meinungsverschiedenheiten veranlassten Mitglieder auszusteigen, unter anderem den deutschen Vertreter Daniel Domscheit-Berg, der unter dem Pseudonym Daniel Schmitt agierte. WikiLeaks selbst spricht nach wie vor von einer Suspendierung Domscheit-Bergs, nicht von einem freiwilligen Weggang. Doch die Kritik an Assange wurde immer lauter, erstmals nicht nur von Presse und Regierungen, sondern von Mitarbeitern und Ex-Mitarbeitern. Die Transparenz fehle dem Projekt, das selbst Transparenz fordere.
Nun wurde Julian Assange auch noch das Arbeits- und Aufenthaltsrecht in Schweden verwehrt. Von dort aus hatte er einen Großteil seiner Arbeit für WikiLeaks erledigt, da Schweden Journalisten einen besonders hohen Schutz bietet. Zudem muss WikiLeaks vorerst auch auf Spenden verzichten. Die bisher genutzte Plattform Moneybookers kündigte die Dienstleistung, nachdem die USA und Australien WikiLeaks auf eine Schwarze Liste gesetzt haben sollen. Wie geht es also weiter? Zumindest wurde gemunkelt, dass eine neue größere Enthüllung geplant sein soll. Sie betreffe die USA und vermutlich erneut Dokumente aus dem Irak-Krieg. Als dies bekannt wurde, haben die Vereinigten Staaten eine über 100 Mann starke Task Force zusammengetrommelt, die mögliche betroffene Dokumente durchforstet und das Worst-Case-Szenario durchspielen soll. Krisenmanagement heißt so etwas wohl. Nun aber hat Assange dementiert, dass die Berichte nach einer anstehenden Veröffentlichung stimmen. So etwas würde von WikiLeaks nicht angekündigt werden, meinte er.
Wie gesichert ist eine Plattform wie WikiLeaks aber noch, wenn keiner genau weiß, was im Hintergrund abläuft? Wenn ein Julian Assange sich wie der große Herrscher aufspielt und keine internen Diskussionen zulässt? Wenn die Sicherheit der Informanten nicht mehr gewährleistet ist? Whistleblower wird es nach wie vor geben, doch das Image von WikiLeaks leidet derzeit immens.