Wer im Sinne des Sports denkt, kann eigentlich nicht gegen die Einführung technischer Hilfsmittel sein. Bei Tennis und Eishockey haben sich solche Systeme längst etabliert und niemandem geschadet. Nur im Fußball hat man sich bisher mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Bis gestern.
Was die FIFA gestern Abend entschieden hat, ist im Fußball eine der größten Regeländerungen der letzten Jahrzehnte: Die Unparteiischen bekommen bei Torentscheidungen eine technische Unterstützung, entweder in Form des Kamerasystems HawkEye, das schon beim Tennis Verwendung findet, oder durch GoalRef, einem magnetischen System, das im Tor und in den Bällen verarbeitet ist. Hier ist mein Beitag dazu für 90elf:
Ich halte die Einführung solcher Maßnahmen für längst überfällig. Und nein, ich finde nicht, dass sie dem Fußball etwas nehmen, vor allem keine Emotion. Wenn meine Mannschaft im Finale der WM 2014 ein klares Tor nicht anerkannt bekommt und deswegen den Titel nicht gewinnt, hat das für mich nichts mehr mit “Menschen machen Fehler” oder “Das gleich sich irgendwann aus” zu tun.
Das Tor ist die wichtigste Entscheidung im Fußball, es geht dabei um Aufstieg und Abstieg, um Punkte und – ja – auch um Geld. Aber in erster Linie auch um Emotion, die mir durch Fehlentscheidungen kaputt gemacht wird, nicht durch eine Technik, die sicherstellt, dass Tore korrekt erkannt werden.
Laut FIFA wird auch nach der Einführung der Torlinien-Technik (TLT) immer noch der Schiedsrichter entscheiden, im Zweifel kann er also das System auf seiner Uhr ignorieren, wenn er der Meinung ist, es liegt ein Fehler vor. Das führt die Technik an sich zwar ad absurdum, im Normalfall wird sich der Schiri aber hüten, die Technik zu überstimmen, denn: sie ist sicher, fehlerfrei und redundant. Das Signal an die Uhr wird verschlüsselt übertragen, von außen kann nichts manipuliert werden.
Also hört auf, euch über die Einführung der TLT zu beschweren, disktutiert einfach weiterhin über Foul- und Abseitsentscheidungen, über taktische Fehler der Trainer. Aber freut euch, dass wir in Zukunft – hoffentlich auch in der Bundesliga – Tore endlich immer richtig bewertet bekommen.