Yvonne Malak zählt zu der Gattung Menschen, von denen es nur wenige gute gibt: Radioberater. Und Malak schreibt gerne kleine Geschichten über ihre Sicht der Dinge auf die deutsche Radiolandschaft und auf Persönlichkeiten im Radio im Speziellen. Klar, damit kann man Reputation aufbauen und seine Ein-Frau-Beratung auch werbewirksam ins Szene setzen.
Heute veröffentliche Malak in der RadioWoche einen Artikel über – natürlich – Personalitys. Ich mache es kurz: Nichts Neues, typisches Berater-Gelaber und im Grunde einige Punkte, die meiner Meinung nach falsch sind. Ansichten, die zudem dazu führen, dass Radio in Deutschland überall so gleich und künstlich klingt.
Hier ein Auszug:
Idealerweise ist dieser “Personality” dabei auch noch überwiegend sympathisch, polarisiert in einem gesunden Maße (klar, ohne geht es nicht! Wer nur “nett” ist, kann nur wenig Profil aufbauen) und hat bei allem, was er tut, die Unterhaltung der Hörer zum Ziel.
Wer nur “nett” ist, kann also nur wenig Profil aufbauen. Ich halte diese Aussage nicht nur für ausgemachten Quatsch, sondern auch für einen der Gründe, weshalb Moderatoren oft so klingen wie sie klingen: Überdreht, oder bewusst beleidigend und provkant.
Wenn Sie sich mit den erfolgreichsten und beliebtesten deutschen Moderatoren, also „Personalities“ mit nachweislichen Erfolgen – z.B. als langjährige Morgenshow-Moderatoren – beschäftigen, werden sie folgende Gemeinsamkeiten finden: [...] alle reiben sich ggf. an und mit ihren Co-Moderatoren. Sie haben Meinungen und äußern diese, sie polarisieren ein wenig und haben keine Angst davor, sie bedienen die klassischen Mann-Frau-Klischees und stehen dazu.
Komisch, genau dieses Aneinanderreiben und diese Klischeereiterei nerven mich am deutschen Radio so. Und das liegt in erster Linie daran, dass es nicht von einem selbst kommt, sondern dies von Programmetage gefordert wird. Man wirkt quasi dazu gebracht, zu polarisieren und anzuecken, sich mit dem Sidekick zu streiten und sexistisch-bescheuerte Witze zu machen.
Das ist keine Personality, das ist ein großer Fake, der meistens auch noch gescriptet ist, also wie in einem Drehbuch festgehalten wird. Ist das die Persönlichkeit und die Authentizität, die ich als Hörer will? Ich will einen echten Menschen und keine künstliche Fassade. Denn mit dieser ist auch die persönliche Komponente, die Malak im Anschluss als so wichtig erachtet, nicht möglich. Höchstens als Schauspiel.
In einem Punkt aber bin ich dann mit Yvonne Malak doch noch einer Meinung:
Natürlich muss man bei Talenten, die sich etwas trauen, als Programmchef etwas Toleranz zeigen (und manchmal starke Nerven haben). Denn natürlich gelingt nicht jeder Break.
Kann mich den genannten Kritikpunkten auch ziemlich anschließen. Personality ist nicht unbedingt das, was in Morning-Shows vorgelebt wird.
Bei einer Personality kommt z.B. das provokante (übrigens, bemühe mal den Edit, Dir fehlt da ein O) weniger wegen der Quote – obwohl die bestimmt da auch mit reinspielt – sondern, weil er das so meint.
Eine wahre Radio-Personalität schafft es vor allem auch, diese ohne Sidekick oder “gescriptetes” auszuleben. Vielleicht wird dabei manches on-air etwas übertriebener dargestellt, als es wirklich der Meinung des Moderators entspricht, aber das kann man dabei gerne als stilistisches Mittel durchgehen lassen.
Wobei Deine Aussage “Wer nur “nett” ist, kann also nur wenig Profil aufbauen. Ich halte diese Aussage nicht nur für ausgemachten Quatsch(…)” vielleicht auch nicht ganz zutrifft: Wer nur nett ist, wirkt zu glatt. Ich weiss nicht, ob es von der Sorte wirklich viel Personality gibt.
Etwas Ecken und Kanten sind schon gut, auch auf die Gefahr hin, nicht immer nur als “nett” zu gelten.
Aber dann eben in gewissen Grenzen: Ruhig mal unnett sein, aber eben nicht beleidigend oder nur provozieren, damit man provoziert.
Z. B.: Nehmen wir mal einen jugendlichen Sender, bei dem doch ein gewisser Prozentsatz der weiblichen Hörer für jemanden schwärmen, bei dessen Nachnamen ich zuerst an das Maskottchen eines Heimwerkermarktes denken muss. Nun kann ich auch als Mod mal sagen, dass ich von Justin Biber nix halte – aber ich muss es auch nicht dauernd wiederholen oder ihn mit aller Gewalt schlecht machen. (Da kann einem sogar mal ein “Von dem Kerl halte ich ja ansich nix, aber der Song macht echt Laune” rausrutschen.) Trotzdem wirke ich da natürlich für die Fans alles andere als der nette Onkel von nebenan. Natürlich ist dies in dem Umfeld provozierend, was – wie gesagt in Grenzen – aber auch ok ist. Denn es spiegelt die wahre Personality des Moderators wieder und macht ihn somit auch mal authentischer als jemanden der alles immer “doll und dufte” findet. Hier ist dann auch wieder der letzte zitierte Absatz vollkommen richtig.
Als Freund von echter Personalität im Radio kann ich da nur sagen: Liebe Programmchefs, hört auf uns im Radio Personality als das vorzusetzen, was im TV unter “scripted Reality” läuft. Gebt lieber euren Moderatoren die Möglichkeit, ihre Ecken und Kanten sinnvoll auszubauen. Danit bekommt ihr wieder mehr Leben ins Radio und die Hörer lauschen gespannter zu, denn “sie möchten wissen, was er als nächstes sagt”. (letzteres als Zitat eines meiner Lieblingsfilme, wobei der zum Thema Personality vielleicht hier zu extrem wäre *g*)