Kein Internet im DFB-Medienzentrum Südafrika

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Alle reden vom schnellen Internet und den noch im ländlichen Bereich nicht mit DSL erschlossenen Ortschaften. Vielleicht wird es gerade dort in den kommenden Monaten spannend, denn mit den neu erworbenen LTE-Lizenzen (Long Term Evolution) für die nächste Generation des Breitband-Mobilfunks könnte hier eine Lücke geschlossen werden. Anscheinend hat aber auch Südafrika ein Internetproblem.

Gestern landete eine Pressemitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in meiner Inbox. Der DFB sendete Informationen über den Verleih und Verkauf von UMTS-Karten im Rahmen der Weltmeisterschaft in Südafrika:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

anbei senden wir Ihnen Hinweise zum Erwerb von Mobil-Telefonen und UMTS-Karten, die Sie bei Ihrem Aufenthalt in Südafrika auf Leihbasis kostengünstig nutzen können.

Zunächst dachte ich an ein Sponsoring des Anbieters Rent a mobile, der mehrmals in der Pressemitteilung auftaucht. Doch schnell leuchtete mir der Rat des DFB ein, wieso sich die Journalisten UMTS-Karten zulegen sollten:

Bitte beachten Sie, dass im DFB-Medienzentrum am Hotel Velmore Grande KEINE Internet-Verbindung besteht und wir Ihnen daher die Anschaffung einer UMTS-Karte dringend empfehlen.

Wie kann es in einem Medienzentrum kein Internet geben?

Thema: Netzwelt, Sport

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Kommentare

  1. Till sagt:

    Das ist doch echt mal lächerlich.
    Sowas sollte heutzutage ein absolutes Ausschlußkriterium für ein Hotel sein, wenn man beabsichtigt, darin ein Medienzentrum (!) aufzubauen…

  2. Tja, und als davon Betroffener fand ich die Mitteilung des DFB schon ein bisschen als Hohn. Erst im letzten Absatz fand sich der wichtige Hinweis, warum man jetzt UMTS-Karten kaufen oder leasen soll. Das war die eigentliche Nachricht des Tages für uns Journalisten. Aber sie stand verschämt ganz weit hinten. Ein mea culpa hätte dem Verband schon nicht schlecht getan.

    Mit UMTS surfen ist nicht das gleiche wie WiFi. Aber wem erzähle ich das.

    Free WiFi gibt es jetzt noch in den Medienzenttren der Stadion und der FIFA. Nur der größte Teil der Arbeit (aus deutscher Sicht), wird eben im Hause des DFB stattfinden. Hat ein bisschen was von ner Farce!

  3. Dingens sagt:

    Die “Medien” sehen im Internet doch einen ihrer größten Feinde. Passt für mich also prima.

  4. melle sagt:

    Kommunikation, insbesondere Internet und Mobiltelefonie ist in Südafrika sündhaft teuer. Selbst manche Universität mit 15.000 Mitarbeitern hat dort nur einen 3MBit-Anschluss. Es ist daher etwas blauäugig in jedem Hotel einen Internetanschluss zu erwarten.

  5. hjg sagt:

    Typisch DFB. Die Altherren- und Funktionärsorganisation ist keinen Zwanziger wert.

  6. abc sagt:

    @#4 (melle): Es erwartet auch niemand in *jedem* Hotel einen Internetanschluss, nicht in Südafrika und auch nicht in Deutschland. Der DFB geht aber auch nicht in irgendein Hotel sondern hat vermutlich monatelang nach einem geeigneten Hotel gesucht. Das ein Breitbandinternetanschluss nicht zu den Kriterien gehörte ist schon interessant.

  7. Jürgen sagt:

    Unter Berücksichtigung der Anmerkung von #4Melle, wird es dem DFB einfach zu teuer sein, dort Internetanschlüsse für Medienvertreter freischalten zu lassen. Ist es Usus, dass Medienvertretern bei ähnlichen Großereignissen der Zugang zum Internet kostelos zur Verfügung gestellt wird? Oder werden in ähnlichen Fällen die Kosten für die Bereitstellung eines Internetzuganges den entsprechenden Medienvertretern in rechnung gestellt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der DFB in dem Hotel kein “Breitbandinternetanschluss” zur Verfügung stehen haben wird. Nur halt nicht für die Medienvertreter.

  8. L-Roy sagt:

    Wahrscheinlich hat der DFB extra auf einen Internetanschluss verzichtet, damit man seinem UMTS-Partner einige Geschäfte zuschieben kann. Schließlich geht es doch weniger um den Sport als um das große Geschäft.

  9. Bjoern sagt:

    Na, da bin ich ja mal gespannt, wieviel UMTS-Bandbreite übrig bleibt, wenn in dem Hotel jede Menge Medienvertreter über vermutlich eine Mobilfunk-Basisstation versuchen online zu gehen – gleichzeitig! Aber ich bin mir sicher, dass ein Vertreter des DFB die Geschwindigkeit im Vorfeld getestet hat – allein! ;-)

  10. Funana sagt:

    Willkommen in der Wirklichkeit!

    Südafrika liegt wo nochmal? Achja, stimmt – auf dem Afrikanischen Kontinent. Internet ist fast in ganz Afrika purer Luxus.

    Und was Südafrika angeht: Google mal nach “Hellkom”.

    Viele Grüsse aus Westafrika!

  11. Ralph sagt:

    So ist das mit den ewig Gestrigen.
    Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass Hr. Zwanziger noch lernt und begreift was das Internet überhaupt ist.

  12. Archer sagt:

    Ganz einfach. Die Infrastruktur dort ist halt inexistent. Da müssen auch Journalisten von ihrem hohen Ross hinuntersteigen und ein wenig Selbstverantwortung üben. Nur weil die Infrakstruktur in Europa und Asien so vorzüglich war (u.a. durch Avaya und Siemens), muss dies in Afrika nicht genau so sein. Qualitativer und unabhängiger Journalismus ist halt teuer. Früher rannten auch alle Journalisten zu den Telefonen.

    Das “Kriterium” hätte eigentlich von der FIFA bzw. von der Agentur Match angelegt werden müssen. Die Trosse sind nur Abnehmer der Leistung. Beschwert euch bei der FIFA.

    Eine abgeschiedene Bleibe ist halt so, wie sie ist. Das ist Afrika, da kann man keine normal-professionellen Standards von Europa anlegen. Wieso sollte der DFB eine Infrastruktur aus reinem Gutmenschentum für teures Geld schaffen, welches in der Nachwuchsförderung besser angelegt ist? Die Journalisten, welche dort sind, werden ihre Nachrichten durch ihre eigene Infra übertragen können. Es wird W-LAN in dem Hotel geben. Nur muss man damit von DFB-Seite nicht hausieren gehen. Einfach abwarten.

    Eine derartige journalistische Selbstbedienungsmentalität und Selbstverständlichkeit hat sich über die Zeit eingeschliffen. Ist aber am Ende der Welt halt weder opportun, noch logisch. Wenn ich es als Fan riskieren muss, Pressekonferenzen erst 2-3 Stunden später zu bekommen, dann ist das halt so. Wenn jemand aktuelle Live-Berichte vor Ort haben will: Da gibt’s was Neues, Leute. Nennt sich Satellit. Probiert’s mal aus. Oder kauft euch eine der Karten. Hat das Fernsehen.

    Auf schriftliche Berichte kann ich auch 2-3 Stunden warten. Wenn Journalisten an ihren eigenen Ansprüchen scheitern, ist das nicht mein Fan-Problem.

  13. blub sagt:

    > Eine derartige journalistische Selbstbedienungsmentalität und
    > Selbstverständlichkeit hat sich über die Zeit eingeschliffen.

    Was für ein Stuss! Sollen die Reporter ihre Videos und Fotos nach Europa faxen oder was? Internetanbindung mit entsprechender Uploadrate ist das minimum was man erwarten kann und das hat nichts mit überheblichem Gehabe zutun.

    Gibt wohl doch Wlan / Internet im Hotel (aber wohl nur nicht für die Presse), zumindest der DFB-Twitter hat gemeldet, dass er sich folgreich ins WLan eingeloggt hat. ;)

  14. Gerd Kamp sagt:

    Dafür haben der DFB, Cisco und die Telekom ein Telepresence System installiert, das ungefähr 15 – 20 MBit Bandbreite braucht. First Things first :-(

    http://newsroom.cisco.com/dlls/2010/prod_060710.html

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