Poetry Slam in Leipzig

Komisch. All die Jahre habe ich nicht viel darauf gegeben, Zeit in Museen, Theatern und Literaturveranstaltungen zu verbringen. Sicherlich war ich hier und da zugegen, aber nie mit einer grenzenlosen Begeisterung. In den letzten Wochen scheint sich mein Interessenfeld etwas zu weiten. Vermutlich weil die ganze Kulturkiste einen Wandel durchlebt. Die klassischen Formen werden moderner. Vor zwei Monaten besuchte ich in Erlangen die englischsprachige Aufführung von “Romeo und Julia”, die mich in leicht emotionale Engpässe brachte. Dann die Twitterlesung im Rahmen der re:publica. Obwohl das sicherlich nicht von allen als Kulturgut gewertet wird. In diesen 140 Zeichen pro Nachricht stecken aber manchmal wertvolle Texte.

Soeben komme ich von einem sogenannten “Poetry Slam“. Kleine Location, viele Leute. Zu viele. Keine Sitzplätze mehr und dennoch eine familiäre Atmosphäre in schummrigem Licht mit Nachwuchspoeten. Sie stehen auf der Bühne und präsentieren ihre Texte. Sie schlüpfen in verschiedene Rollen, spielen mit ihrer Stimme. Manche sitzen am Boden, weil sie sonst mit der Nervosität nicht zurecht kommen würden. Sie reden frei oder halten sich teilweise zitternd an ihren Zetteln fest. Einige stehen das erste Mal bei einem solchen Wettbewerb auf der Bühne. Jeder hat seine eigene Art zu erzählen. Anschließend kann jeder Besucher abstimmen, welcher der zehn Kandidaten ins Finale kommt. Drei bleiben übrig und präsentieren noch ein weiteres Werk. Der Gewinner wird am Schluss per Applaus gekürt.

Ich bin begeistert, fasziniert und ein stückweit neidisch. Wie bekommt man solche Texte hin? Ist das Naturtalent oder Handwerk? Ich ziehe meinen Hut vor den Menschen, die ich heute Abend auf der Bühne gesehen habe. Jeden ersten Sonntag im Monat wird geslamt, im “Ilses Erika” in Leipzig. Um 21 Uhr geht’s los, der Eintritt kostet 4 Euro. Sehr empfehlenswert.

Geschrieben von Konstantin Winkler

Kommt aus Nürnberg und lebt in Leipzig. Seit 1996 Journalist und Moderator, aktuell für das Fußballradio 90elf. Blogger, Gamer, Basketball-Schiedsrichter.

2 Kommentare zu Poetry Slam in Leipzig

  1. Stefan sagt:

    Stimmt, so ein Poetry Slam kann wirklich Spaß machen! Ich kam damit vor Jahren in Berührung, als es so etwas immer mal wieder in der Fürther Kofferfabrik gegeben hat (oder vielleicht immer noch gibt). Auch beim Brückenfestival standen Slammer auf der Bühne. Und das WDR-Fernsehen zeigt auch solche Veranstaltungen. Allerdings fehlt dabei die Live-Atmosphäre, wodurch der Spaßfaktor deutlich geringer ist.

  2. Analyze sagt:

    Wär ich mal dabei gewesen!

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