Kürzlich unterhielt ich mich mit einer Bekannten über die Wertschätzung der heutigen Gesellschaft. Wir überlegten uns, wie Bücher und Musik in Zukunft genutzt werden würden und welche Auswirkungen das hätte. Einig wurden wir uns in dieser Diskussion nicht, hatten aber Verständnis für die unterschiedlichen Ansichten.
Musik
Apple hat am Dienstag vor einer Woche das Preismodell seines iTunes-Stores verändert. Die Songs kosten nun nicht mehr pauschal 99 Cent, sondern sind in 3 Abstufungen erhältlich: 69 Cent, 99 Cent und 1,29 Euro. Der Markt für den digitalen Musikerwerb verändert sich, nachdem Plattenfirmen Druck gemacht und höhere Preise gefordert hatten. Kein Wunder, hat man doch die Entwicklung im Internet fahrlässig verschlafen und will dennoch am großen Kuchen beteiligt werden.
Der Kauf von Songs im Internet wird immer populärer. Inzwischen hat Amazon auch in Deutschland seinen mp3-Shop eröffnet und lädt ein, Musik rund um die Uhr herunterzuladen. Ich persönlich entscheide mich eigentlich lieber für die CD, es sei denn die Alben sind online deutlich preiswerter. Eine CD in den Händen zu halten, einlegen zu können und das Booklet zu durchstöbern gehört für mich zum Kauf dazu. Umso ärgerlicher ist es, wenn das Booklet lieblos lediglich zwei Seiten enthält. In den letzten Wochen fällt mir aber verstärkt auf, dass der Preis am Ende das schlagende Argument für mich ist. Das Kauferlebnis besteht aus Downloaden und Anhören, mein CD-Regal wird dadurch nicht bereichert. Wenn ich das Album über meine Anlage hören will, muss ich es erst brennen. Auf ein Booklet muss ich gänzlich verzichten.
Bücher
Heute hielt ich eines dieser E-Book-Lesegeräte in den Händen. Zunächst dachte ich beim Ausstellungsstück sei eine “Demo”-Folie aufgeklebt, so unecht sah das Display aus. Aber das hochauflösende Panel täuschte mich mit seiner beeindruckenden Schärfe und angenehmen Lesbarkeit. Es verhält sich wie mit echten Büchern. In der Dunkelheit muss eine Lampe eingeschaltet werden, denn eine Hintergrundbeleuchtung ist nicht integriert. Dafür ist der Reader sehr effizient: Mit einer Akkuladung kann man ca. 7000 Seiten umblättern. Bis zu 160 Bücher immer dabei, ohne viel schleppen zu müssen, stromsparend und komfortabel. Doch auch diese Technik hat ihre Nachteile. Die E-Books kosten genau so viel wie die richtigen Bücher und sind meist via DRM kopiergeschützt. Anscheinend machen die Verlage hier den selben Fehler wie die Plattenindustrie zu Beginn der Digitalisierung. Ein solches Gerät kostet ca. 300 Euro, ein stolzer Preis für den Komfort, der derzeit das einzige Kaufargument sein kann.
Doch eine Frage bleibt auch hier: Kann man etwas, das man einfach mal schnell runterlädt genauso wertschätzen wie etwas, das man in den Händen hält? Ein Buch mit 600 Seiten hat sein Gewicht, seinen eigenen Geruch. Man spürt das Umblättern und die Beschaffenheit des Papiers. Stellt Euch Bibliotheken vor, in denen es keine Regale, sondern nur noch Terminals gibt, an denen man seine Leihbücher auf den E-Book-Reader lädt. Eine solche Entwicklung fände ich schade, wenn ich auch nicht glaube, dass sich in den nächsten 5-10 Jahren die “normalen” Bücher vom Markt verabschieden werden. Dazu sind sie zu sehr in der Kultur und Gesellschaft integriert und verankert.
3 Meinungen
#2 Analyze
Digitale Musik und Bücher werden für mich immer nur ein komfortabler Zusatz sein, der das Original nicht ersetzen kann:
Momentan schleppe ich für einen zweiwöchigen Leipzigaufenthalt 4-5 Bücher mit mir rum, als ich noch sowas wie Urlaub kannte waren es gerne 8-9. In solchen Situationen würde ich die digitale Form zugunsten meines Gepäckgewichts bevorzugen. Das Blättern durch die Seiten, riechen am Buchrücken, das Geräusch des Papiers… wird aber immer ein unersetzlicher Genuss für mich bleiben! Deswegen kann ich auch Bücher nie wegwerfen.
Musik, die ich nur für 3-4 Wochen ganz toll finde, weil sie gerade neu und so anders ist, kann ich digital ganz gut ertragen. Sobald ich aber weiß, dass ich dieses Album mehr als 10x hören will, wird die OriginalCD gekauft: Zum Anfassen, genießen, Cover angucken…
Dahinter steht ein Prinzip: Meine Lieblingsbücher und meine LieblingsCDs sollen auch im Regal stehen! Immerhin renne ich beim 1. Besuch einer mir bisher unbekannten Wohnung auch zuerst zum Bücher- und CD-Regal, um zu gucken mit was für einer Person ich es zu tun habe ;)
#3 Christopher
Amazon Musik Store?
Wird da genauso heftig zensiert wie bei Printmedien (http://www.netzeitung.de/internet/internet/1327197.html)
Für mich könnte kein runtergeladenes Album eine CD oder gar LP ersetzen. Und schon garkein Buch. Ich persönlich (als großer Musikliebhaber und Musiker) finde diese neue Entwicklung furchtbar. Durch Bequemlichkeit wird Musik hier auf einige Klicks und FTP Protokolle reduziert.
Erst gestern habe ich wieder LPs und CDs auf einem Konzert verkauft, in der D.I.Y. (Do it yourself) Szene besitzen Tonträger einen hohen ideellen Wert, Pressungen, Schwarz weiss Cover, Colour Vinyl. Es entstehen wunderbare Diskussionen am Plattenstand, man tauscht sich aus und erfährt erstaunliche Hintergründe über die Musik und Musiker. Und das ganze ohne jeglichen kommerziellen Hintergrund, die Platten werden getauscht oder zu so niedrigen Preisen wie möglich oder angemessen (bei Sonderpressungen) verkauft. Es geht also auch anders. Der Aufwand ist allerdings ungleich höher. Und wie so vieles schöne fällt hier einiges der Bequemlichkeit zum Opfer.
Ich für meinen Teil halte es so: Das Internet als Informations und “Hörproben”quelle (Myspace) nutze ich sehr gerne. Allerdings werde ich gute Tonträger nach wie vor kaufen. Und möglichst nicht bei Müller oder Saturn, sondern idealerweise beim Künstler selbst oder aber bei kleinen Plattenläden, die ja leider auch immer weiter aussterben. Dort bezahle ich auch gerne 2 Euro mehr.
Ein eBook werde ich wohl nie lesen. Allein der Gedanke kommt mir absurd vor. Allerdings verstehe ich, das die Technik sich eben auch in der Unterhaltungsbranche weiterentwickeln muss, und werde niemandem irgendwas “krumm” nehmen. Ich finde nur schade das jetzt sogar das Medium “Buch” durch binäre 1en und 0en ersetzt wird.


#1 Malte
Zu den E-Book-Preisen habe ich letztens mal einen interessanten Beitrag gelesen. DRM hin oder her, jeder (einschließlich mir) wird ja erwarten, dass digitale Bücher erheblich günstiger sein müssten als gedruckte, da ja der physische Produktionsprozess wegfällt. Dass der Preis trotzdem “hoch” ist, liegt aber einfach daran, dass die Kosten für Druck, Bindung und Distribution des Buches eben nur einen ganz kleinen Anteil am Endpreis ausmachen. Der Autor, das Lektorat und der Verlag müssen ja schließlich auch finanziert werden.
Die DRM-Lösung fände ich ok, wenn es “Flatrate”-Angebote wie beispielsweise früher bei Napster geben würde. Für einen Festbetrag kann man soviele Bücher monatlich Lesen wie man möchte, kündigt man das Abo, werden aber alle heruntergeladenen Bücher “unlesbar”. Das wäre so ungefähr das digitale Pendant zu einer Leihbücherei.
Übrigens, habe mir den Sony TR-505 im März mal in einem Buchladen angeschaut und genau das gleiche gedacht wie du- ich dachte es wäre ein Dummy.