Die Angst in den letzten Wochen

Als ich meine Nasenpolypen entfernen lassen sollte, dachten die Ärzte ich hätte einen Tumor. Als mein Blutbild nicht gestimmt hat, sind die Ärzte davon ausgegangen, dass ich Blutkrebs habe. Als mein Herz komische Geräusche gemacht hat, dachten die Ärzte irgendwas Ernstes sei mit meiner Pumpe. All dies hat sich nach intensiveren Untersuchungen nicht bestätigt. Natürlich rede ich hier von einem Zeitraum von über fünfzehn Jahren, indem diese Vermutungen geäußert wurden.

Vor einigen Monaten hat Katharina auf meinem Rücken einen schwarzen Fleck entdeckt. Bei genauer Beobachtung erkannte man eine gewisse Asymmetrie, der Durchmesser des Flecks betrug ca. 5 Millimeter. Meiner Meinung nach hatte ich diesen Fleck schon seit längerer Zeit. Aber konnte ich sicher wissen, dass er nicht größer geworden ist? Der Besuch beim Hautarzt zog sich hin. Erst am Freitag vor meinem Urlaub, also sechs Monate nach der Entdeckung, besuchte ich eine Praxis am Plärrer. Ich wollte mit einem beruhigenden Gefühl den Aufenthalt in Wien mit BA beginnen. Leider kam es ganz anders. Die Ärztin klang sehr beunruhigt und konfrontierte mich gleich mit ihrer Vermutung: Ich hätte ein malignes Melanom, besser bekannt als “schwarzer Hautkrebs”. Eine Operation, d.h. die Entfernung dieses Flecks, sei zwingend erforderlich, am besten “so schnell wie möglich”. Da saß ich also nun in dieser Praxis, umgeben von Praktikantinnen und Azubis, die sich alle meinen tollen Fleck anschauen wollten. Einen Termin zur Operation bekam ich allerdings erst zweieinhalb Wochen später, zu spät für mein Gefühl.

Nach dieser vorläufigen Diagnose ging es mir miserabel. Katharina bemühte sich einen Hautarzt zu finden, der diese ambulante OP früher durchführte, und sie wurde fündig. Der einzige freie Termin war am Mittwoch, mitten in meinem Urlaub. Der Plan nach Wien zu fahren, fiel also ins Wasser. Es war mir wichtiger diese Angelegenheit zu klären, ohnehin hatte ich sie zu lange vor mich her geschoben. Mit BA besprach ich, direkt nach der Entfernung des Melanoms, nach Wien zu fahren. Zumindest einige Tage meines Urlaubs wollte ich genießen. Hier machte mir aber die Ärztin einen Strich durch die Rechnung. Auch ihrer Meinung nach war dieser Fleck ein Melanom, das man besser gleich im Krankenhaus mit einem größeren Schnitt entfernen sollte. Auch die dortige Entfernung eines Lymphknotens empfiehl sie mir. Der OP-Termin in der Praxis war also eher ein beratendes Gespräch. Allmählich bekam ich es richtig mit der Angst zu tun. Inzwischen sagte mir schon die zweite Ärztin, dass ich es hier mit etwas Bösartigem zu tun habe.

Ehe wir in die Hautklinik des Klinikum Nord gefahren sind, musste ich einige Zeit zuhause nachdenken. Alle möglichen Varianten des Fortgangs dieser Erkrankung schossen mir durch den Kopf. Ich wirkte apathisch, reagierte auch auf Katharina nicht mehr. Ich war fertig mit der Welt.

Im Krankenhaus musste ich zunächst über eine Stunde warten, bevor mich ein junger, sympathischer Arzt untersuchte. Auch er sagte mir, dass ich “zu 99% davon ausgehen” könne, dass dies ein Melanom sei. Glückwunsch, dachte ich mir. Er rief den Oberarzt ins Zimmer, der sich ebenfalls den Fleck angesehen hat und zu selbigem vorläufigen Befund kam. Nur über die Tiefe, also die Ausbreitung des Melanoms, konnten sie keine Angaben machen. Im Gegensatz zur Ärztin schlugen sie mir aber vor, den kleinen Schnitt zu machen und erst im Anschluß über einen eventuellen größeren Schnitt oder die Entnahme eines Lymphknotens zu entscheiden. Irgendwie drehte ich mich im Kreis. Diese kleine OP hätte auch die Hautärztin machen können, jetzt musste ich wieder warten – bis Montagmorgen.

Wenigstens konnte ich mit BA in einer Blitzaktion für einige Tage nach Wien. Doch diesen Aufenthalt werde ich in einem separaten Blogeintrag nachholen.

Montagmorgen war die OP. Laut dem mir vorliegenden OP-Bericht dauerte der Eingriff 16 Minuten. Der Arzt war der selbe, der mich untersucht hatte. Er begrüßte mich mit den Worten: “Guten Morgen Herr Winkler, ich hab mich schon das ganze Wochenende darauf gefreut jemandem wieder Schmerzen zuzufügen”. So kann der Tag beginnen. Im Laufe der Operation unterhielten wir uns über die Top-Städte Europas, in denen es die hübschesten Frauen gibt. Ich war froh, einen solch lockeren Arzt an meiner Seite zu haben. Fünf bis sieben Tage solle es dauern, bis ein Ergebnis vorliegt. Falls sich der Verdacht bestätigt, was er “relativ sicher” tun würde, melde sich das Krankenhaus direkt bei mir. Ansonsten würde die Histologie, also die Auswertung der Hautprobe, an meine Hautärztin geschickt.

Heute war Tag 9 nach der OP, meine Fäden habe ich beim Hausarzt ziehen lassen. Dann der Anruf im Krankenhaus und die Diagnose: Die Unterlagen wurden an meine Hautärztin geschickt, im Labor konnte keine Bösartigkeit festgestellt werden. Vier Ärzte, samt dem Oberarzt lagen falsch. Das soll kein Vorwurf sein, ganz im Gegenteil. Ich bin heilfroh, dass nun alles abgeklärt ist und ich wieder ruhig schlafen kann.

Diese erfreuliche Nachricht feiere ich mit ner lecker Pizza und einem neuen Blogdesign. Ich hoffe, es gefällt.

Geschrieben von Konstantin Winkler

Kommt aus Nürnberg und lebt in Leipzig. Seit 1996 Journalist und Moderator, aktuell für das Fußballradio 90elf. Blogger, Gamer, Basketball-Schiedsrichter.

6 Kommentare zu Die Angst in den letzten Wochen

  1. Tina sagt:

    maaan, jetzt hab ich beim lesen schon panik bekommen. nun bin ich natuerlich mit dir froh, dass es nichts schlimmeres ist.

    das neue design ist…ungewohnt…lacht einen doch kein konni mehr sofort an. :/

  2. Jörn sagt:

    Mein lieber Schwan, da hast Du mir jetzt aber ganz schön Gänsehaut eingejagt. Glückwunsch zum guten Ausgang des Ganzen!

  3. Matthias sagt:

    Maaan Konni! Puuh ich hatte echt auch Angst um dich während des Lesen. Gott sei Dank! Ich glaub deine bessere Hälfte ist auch ganz schön froh und wahrscheinlich kannst du froh sein, dass sie dich da so unterstützt hat!

  4. Ich hoffe nur, dass sie beim Ergebnis nichts verwechselt haben…

  5. gnadiator sagt:

    Verwexlung völlig ausgeschlossen – es gibt nur einen Konni Wunkler.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>