
Julia Palmer-Stoll ist in der Nacht zum 09. Juni 2005 gestorben / Foto: das-erste.de
Es sind schon einige Tage vergangen, seitdem Julia Palmer-Stoll gestorben ist. Sie spielte in der ARD-Serie “Marienhof” die Rolle der Schwester Simone. Weil sie einem kleinen Igel das Leben retten wollte, musste sie sterben. Ein Auto hat sie erfasst, als sie den Igel über die Straße tragen wollte.
Eigentlich habe ich keinerlei Bezug zu Julia. Hin und wieder habe ich sie im Fernsehen gesehen, mehr nicht. Und trotzdem berührt mich das Schicksal dieser jungen Schauspielerin. Im Januar ist sie 21 geworden. Ein kleiner Moment hat ihr Leben beendet und tiefen Schmerz bei Familie, Freunden, Kollegen und Fans verankert.
Wenn ich von solchen Schicksalen höre, denke ich viel über das Thema Tod nach. Diese denkintensiven Phasen hatte ich bereits 2 Mal: Bei Armin Schönberger, einem Moderationskollegen von N1, den ich nie persönlich kennengelernt hab. Und bei Tina Schultheiß, einer Kollegin von ENERGY München, mit der ich ein Wochenendseminar belegt hatte. Armin wollte eigentlich nur jemandem helfen und musste diese Hilfsbereitschaft mit seinem Leben bezahlen. Bei Tina blieb das Herz stehen, einfach so.
Mir ist durchaus bewusst, daß tagtäglich zigtausend Kinder und Jugendliche sterben. Dennoch sind es genau diese Einzelschicksale, die uns das Thema Tod immer wieder vor Augen halten. Ich frage mich wirklich nach welchen Kriterien Menschen aus dieser Welt gerissen werden – Falls es so etwas wie Bestimmung gibt.
Armin, Tina und Julia, egal wo ihr jetzt seid: Lasst es Euch gut gehen. Ich denke an Euch.
>Wenn ich von solchen Schicksalen höre, denke ich viel über das Thema Tod nach.
Ich dreh am Rad. Ich studiere. Was ich studiere, ist ja egal. Jedenfalls laufe ich aus der Fakultät raus und sehe den Notartzt vorbei sausen. Ja, gut, passiert ja jeden Tag oder?? Jedenfalls mache ich mich auf den Heimweg. Von der Stadtmitte sehe ich schon den gerade erwähnten Notartzt. Wohne ja vielleicht drei Minuten Fussweg entfernt von der Stadtmitte, muss also dort vorbei. Ich muss dabei über eine Brücke laufen, die über einen Fluss führt. Jedenfalls sehe ich die Blaulichter schon von 100m kreisen und denke mir nichts dabei, bis ein Leichenwagen an mir vorbei fährt. Gänsehaut. Die verschiedensten gedanken. Der Leichenwagen muss an einer Ampel halten. Ich laufe an ihm vorbei. Ich denke mir noch, klar, eilig hast du es nicht. Noch ein kurzer Augenblick bis zur Unfallstelle, und ich realisiere die Situation, und bringe beides in Zusammenhang. Die erste Träne kommt. Eine Frau, die von einem Laster überollt wurde, auf Grund zu geringen Abstandes. Das Bild ging mir nicht so einfach aus dem Kopf. Die Frau war 48. Am nächsten Morgen musste ich zur Uni. Auf der Brücke begegenete mir ein trauender Mann mit seiner 12 Jaärigen Tochter, welche Blumen niederlegten und einen Kreis mit Kreide malten. Mittig ein Herz und außen herum den Namen der Frau. Das war am 30. Mai. Hab mich mittlerweile damit abgefunden. Naja, bbis vor drei Tagen. Selbe Schose. Ich laufe aus der Fakultät, der Notartzt. Er fährt in die selbe Richtung. Ich sage noch zu meinem Mitstudenten, NICHT SCHON WIEDER!!! Der selbe Weg, und der Leichenwagen fährt wieder vorbei, und hält vor der Ampel. Den fast ironischen Gedanken bemerke ich zwar, möchte ihn aber nicht zuende denken. Keine 5 Meter von der letzte Unfallstelle liegt sie. 16 Jahre. Überrollt von den Zwillingsreifen eines verdammten LKW. Unfallopfer so zu sehen, verdammt noch mal, dass darf doch nicht war sein!!! Es war sogar die selbe Uhrzeit und der selbe Wochentag. Am nächsten Morgen war die Schulklasse u. Eltern da und trauerten, legten Blume nieder… Egal, auf jedenfall bin ich ziemlich am leiden. Hatte zudem vor ein paar Jahren auf selbe Weise eine Freundin verloren. Bin am Arsch.
Das ist wirklich heftig…. Da fehlen mir die Worte…
Leider ist das noch nicht alles mit dem ich zu kämpfen habe. Ich studiere Jura. Im Strafrecht muss man sich ständig mit solchen fällen auseinander setzetn. Leider gibt es einige “Mitstudierende” , deren Kommentar ich dazu hören ( zu beiden Fällen) musste.
Liebe Julia Palmer Stoll. Dein tragischer Unglücksfall hat Dich sehr früh in Deine und unsere, ewige Heimat zurück gebracht. Du warst hier auf dieser Erde ein wundervoller Mensch – und nun bist Du eine wunderbare Engelin. Ich weis, dass Dir dort, wo Du jetzt bist, unsagbare Glückseligkeit beschert wird, denn Du, liebe Julia, gehörst zu den Menschen, die alles erdenkliche Glück verdient haben. Es ist eine Tatsache, dass sich der Göttliche Himmel nicht nur denen öffnet, die in Not geratenen Menschen helfen, sondern auch denen, die den schwächsten der Kinder Gottes, den Tieren, mit all ihren Kräften helfen. Der Himmel hat gesehen, was Du getan hast – und er wird Dich nicht im Stich lassen! Denn der Christus sagte einst: «Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit erwiesen werden!» Und weist Du, was die griechische Philosophie dazu sagt? Sie sagt: «Wen die Götter lieben, den holen sie zuerst!» Dein lieber Vater hat einer Eingebung von oben zu Folge genau das richtige gesagt: «Gott benötigte im Himmel eine liebe Engelin, da hat er sich meine geholt!»
Eines Tages kommen wir alle nach, und dann wird es ein freudiges Wiedersehen geben. Bis dahin wünsche ich Dir alles Glück da oben, liebe Julia – Walter-Johann Cornelius.
Ich habe Tina persönlich gekannt! Ihr tod traf alle sehr plötzlich und vor allem die Familie leidet noch heute darunter, auch wenn es schon knapp 1 1/2 Jahre her ist!
Sowas darf doch gar nicht sein!
Ich werde den Sinn vom frühen Tod wohl nie verstehen!
MfG Timo
Na ja ist doch egal – jeder muss mal gehen der eine eher der andere später – das mit der Ampel und dem LKW ist gelogen -gleiche Uhrzeit, gleicher Wochentag, gleiche Stelle – hatte die tote auch die gleichen klamotten an??? Immer diese Wichtigtuer…
Schon mal drüber nachgedacht wieviele Menschen, insbesondere Kinder, jeden Tag in der dritten Welt sterben??? Verhungert während wir Tag für Tag Millionen Tonnen von Nahrungsmitteln vernichten???
Nur weil die Tussi im Fernsehen war und die Bild auf die Story abfährt wird da so ein Affe geschoben…zumal sie selbst schuld war!
Man kann auch so eine Meinung taktvoller ausdrücken.
Lieber Jörg,
ich möchte es mal wagen, zu behaupten, dass Du bisher davor verschont geblieben bist, einen jungen Menschen, der Dir unendlich viel bedeutet, von heute auf morgen verloren zu haben.
Falls ich damit falsch liege, bitte entschuldige. Ich habe die Vermutung deswegen, weil jeder, der es erleben muss, sicher nicht in einer solch undifferenzierten Art und Weise über den Tod denkt. Mit einem hast Du sicher Recht, jeder muss mal gehen, früher oder später. Doch ich möchte Dich gerne zum Nachdenken anregen.
Egal in welchem Land, ob in der dritten, vierten, zweiten oder in der ersten Welt. Der Tod, insbesondere der Tod eines jungen Menschen, bringt unendlich viel Leid und Schmerz über die Familien und Freunde des Verstorbenen. Und Du kannst Dir sicher sein, dass die Mutter eines im Niger verstorbenen Kleinkindes genau so darunter zu leiden hat, wie die Familien von Tina, von Julia oder die Eltern von Armin. Klar stand Julia im öffentlichen Interesse, ist doch nur logisch, dass die Bild darüber schreibt, sonst würden die ihren Job ja falsch machen. Das ändert jedoch nichts am Fakt, dass alle Menschen, die Julia lieben, unter ihrem Tod unendlich leiden müssen.
Der Grund für den Tod ist erstmal irrelevant. Auch hast Du Recht, dass unglaubliche Assymetrien in der weltweiten Nahrungsmittelverteilung existieren. Aus welchem Grund auch immer, wir können die meisten Ursachen für einen frühen Tod leider nicht beeinflussen. Der “Circle of Life” nimmt normalerweise die alten Menschen, mit langen und erfüllten Lebensgeschichten irgendwann aus dem Kreislauf heraus. Selbst dies zu akzeptieren fällt schwer. Doch die Verzweiflung, gar Wut über den frühen Abschied von so jungen Menschen mit sprühenden Ideen, voller Lebensenergie und ungebremsten Frohsinn, ist etwas, das man so richtig nur verstehen kann, wenn man es selbst erfahren hat.
Konni hat diese Kategorie “Wenn junge Menschen sterben…” eröffnet, um über dieses Thema zu diskutieren, darüber nachzudenken, sich gegenseitig Mut zu machen, was Ich sehr innovativ und auch mutig von ihm finde. Vielen Dank dafür.
Björn, Bruder von Tina.